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Deutschland Vegetarisch – Die kloße Liebe

Ob ich dafür in der Wortspiel-Hölle schmoren muss? Mir egal, ich wäre ja in guter Gesellschaft. Zwei Blogger schreiben ein Kochbuch (Oh nein! Bitte nicht!) Zum Glück waren es Katharina, die als Herausgeberin – und Autorin von Österreich Vegetarisch – Konzept und mit acht Seiten das ausführlichste Register aller Zeiten lieferte, und Stevan, der akribisch fleischlose Klassiker der deutschen Küche entstaubte ohne sie zu entstellen – sagen jedenfalls die, die sich auskennen. Für mich ist das Buch kulinarisch gesehen weitestgehend Neuland, da mir der Teil mit “auf dem Hocker stehend der Oma in die Töpfe guckend” leider im Aufwachs-Programm fehlte und Mikrowelle, Miracoli und Dosen-Ravioli gern gesehene Erleichterungen im Alltag der Familienmanagerin waren. Damit bin ich zum Einen der lebende Gegenbeweis, dass Hans durchaus noch lernen kann, was Hänschen vergönnt war und zum Anderen gefundenes Fressen für Deutschland vegetarisch.

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Dass nicht soviel Fleisch gegessen werden sollte spricht sich langsam herum und gerne wird mit winkendem Zeigefinger darauf hin gewiesen. Dass man sich mit diesem dabei genauso gut ein Loch ins Knie bohren kann wissen auch Katharina und Stevan, lassen ihn stecken und nehmen uns ab dem Vorwort mit auf eine genussvolle Zeitreise in die Küchen von Oma und Uroma. In die bewährten fünf Jahreszeiten aufgeteilt und mit dem neuen Goldstandard für Kochbücher (drei Lesebändchen) versehen geht es los mit dem Frühling. Eine Spargel-Sahnesuppe lacht uns an und unter dem Teller die heile Welt in Form einer Gänseblümchen-Serviette. Die deutsche Food-Fotografie ist deutlich verspielter als in Österreich, trotzdem machen ausnahmslos alle Bilder Lust auf die Gerichte, auch auf die, die schwieriger hübsch einzufangen sind. Wenn ich daran denke, wie meine Soleier im hohen Glas aussahen… Aber alleine die kurze Geschichte zum Hungerturm in Berliner Kneipen macht mir solche Lust auf einen Kater, dass ich sofort 12 Eier und einen Sud koche. Sollte man immer im Kühlschrank haben.

Der gebrühte Kohlsalat mit Äpfeln, Nüssen und Butterbrot hat weder von Stevan noch von mir ein Foto bekommen, dabei wäre der große Aufritt dieser Krautsalat-Variation durchaus verdient gewesen. Die Kombination von Kohl, Apfel, Kümmel und Haselnuss ist hiermit im limbischen System fest verdrahtet und wird sicher noch für die ein oder andere Kreation sorgen. Das im Sumpf der Low-Carb-Bewegung verlorene Brot als Beilage taucht in diesem Gericht als Butterbrot wieder auf, mit Schnittlauch bestreut und vielleicht etwas Salz eigentlich das Seelenessen schlechthin.

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Kartoffelsuppe mit Pfifferlingen – bei mir noch trotzig mit Blutwurst, nötig hat sie das nicht. Gut, es ist nicht die Erdäpfelsuppe aus der großen Schwester, muss sich dank der Pfiffferlinge aber nicht dahinter verstecken. So wertvoll wie die Rezepte selbst sind in Deutschland Vegetarisch die Varianten. Wer aufpasst kriegt hier nicht nur einen Haufen Zusatzrezepte sondern lernt viel für den Küchenalltag hinzu. Soll die Suppe cremiger sein – pürieren ist erlaubt. Keine Pfifferlinge bekommen oder die Haushaltskasse schon geplündert? Andere gebratene Pilze sind auch Okay – was das Marktangebot so hergibt. Das lockert dieses Buch ungemein auf und fördert beim Leser Kreativität und weckt den Entdecker-Geist. Was gibt es eigentlich wann an Pilzen auf dem Markt?

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Rote-Bete-Salat mit Meerrettich-Kümmel-Vinaigrette – Das Foto fällt etwas aus dem Rahmen. Aber was tun, wenn sich´s einfach nicht schön anrichten lässt? Großzügig durchmischen, dabei den Teller einsauen und wenigstens das Brot hübsch dazu trapieren. Hier darf man, auch wenn es nicht explizit dabei steht, übrigens auch ein Solei zum Salat reichen. Meerrettich gibt dem Salat den nötigen Pfiff und auf die Haselnüsse sollte so wenig verzichtet werden wie auf Kümmel.

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Steinpilze in Kräutersahne mit Ofenkartoffeln – Gab´s bei uns mit Pfifferlingen und Champignons. Getrocknete Steinpilze heben den Geschmack der Sahnesauce ungemein und dürfen über den Winter nie im Vorratsschrank fehlen.

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Graupenrahmsuppe – Ein fast ebenso weit verbreitetes Kindheitstrauma wie Rosenkohl. Überkommen. Ein bisschen zu süß, aber perfekt eingefangen von den frittierten Zwiebeln. Und dazu frittierte Petersilie! Nachmachen, hier lohnt sich die Schweinerei mit spritzendem Fett besonders!

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Laubfrösche mit Meerrettichsauce – Wie die Lebensmittel in diesem Buch gefeiert werden! Es macht einfach Spaß. Ok, dieses Gericht war mit Abstand das Aufwändigste, der von mir Nachgekochten, aber was sich daraus alles mitnehmen lässt: Überbacken mit Bröseln. Aromatisieren von Bröseln. Eine Füllung, die genauso gut eine Fleischfüllung sein könnte. Unmengen von Sahne, Milch, Butter, Eier, Brot. Toll! Und dann: The Return of the Mehlschwitze. Wo bist du nur all die Jahre gewesen? Seit wann macht man das eigentlich nicht mehr? So habe ich früher Tomatensauce gekocht: Mehlschwitze und Tomatenmark – hat noch immer gut geschmeckt ;-) Und jetzt schön mit Meerrettich. Hab ich schon Toll gesagt? Toll! Toll! Toll!

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Zwetschgenkuchen mit Streuseln – Ein Fest! Ich habe gleich zwei Bleche gebacken – die Markt-Muttis hatten ganz zauberhafte Zwetschgen, die ein bisschen saurer waren als die anderen. Dazu Streusel und dieser perfekt süße Hefeteig. Und der ultimative Streuseltip, den, ich habe alle Muttis und Tanten gefragt, noch keiner kannte. Die Butter erst schmelzen und dann wieder fest werden lassen. Beste. Streusel. Ever. Obendrauf Vanillesahne. Wer braucht da noch Geburtstag?

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Labskaus – Wau, Labskaus. Aber nach dem …im Gurkenwasser und 50g Butter zu Brei stampfen hatte er mich. Wir hatten Rote Bete aus liebevoll gepflegtem Eigenanbau und Gurken aus Eigeneinlage. Als ich dazu noch kleine Sellerie-Schnitzel gebraten habe, hat es irgendwo drinnen leise *klick* gemacht und ich mich gefragt, ob ich vielleicht ohne Fleisch leben kann. So ein köstliches Schnitzel hatte ich schon Jahre nicht mehr.

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Kartoffelklöße mit Champignons in Dunkelbier-Rahmsauce – Und nun habe ich endgültig mein Herz verloren. An die Kartoffel. An Schwarzbier, an Stevan, an Katha, an 1747. Mit Bier kochen – unbedingt! Und lasst das Köstritzer stehen – zieht los und sucht. Ich habe mehrere kleine Brauerein gefunden, die Schwarzbier im Programm haben. Das Gericht wird sicher ein Klassiker in unserer Küche werden und die Kartoffelklöße haben sich auch schon in Scheiben angebraten als Delikatesse erwiesen.

Fazit: Volle Punktzahl. Viele Menschen haben mit riesigen Erwartungen Deutschland vegetarisch entgegen gefiebert und soweit ich das überblicken kann, sind alle hin und weg. Deutschland Vegetarisch wird seinen festen Platz zwischen Ich helf dir kochen und Backen macht Freude finden.

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Kaninchenrücken und, hüstel, Knödel

Knödel hat sie sich gewünscht. Das hat man dann davon, wenn man fragt. Teig und ich sind zwar Freunde für´s Leben, aber ich hatte so ein ungutes Gefühl, was die Strapazierfähigkeit dieser Beziehung angeht, wenn man sie kugelweise in siedendes Wasser gibt. Sie löste sich auf. Mehr oder weniger.

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Unten links, das Grünliche…

Was zuvor geschah: Auf der Suche nach einem Knödelrezept, das meiner kreativen Ader gerecht wird, bin ich in Beef Acht auf Mascarpone-Spinat-Knödel gestoßen. Auf der Fahrt ins Allgäu (Uwe und Melanie berichteten, ich werde nachlegen) habe ich die Knödel dann in Gedanken mehrfach gekocht – das Rezept hatte ich bereits auswendig gelernt. Die liebe Melanie wünschte sich (merken Sie was?) Brioche, ein Rezept, das ich im Schlaf beherrsche und wieder erwarten blieb genug übrig, um das Toastbrot aus dem Knödelrezept durch Briochebrösel zu ersetzen. Ich hatte das auf der Rückfahrt durchdacht, so dass eigentlich nichts mehr schief gehen konnte.

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Kleines buttriges Hefeteig-Scheißerchen aus dem Muffinblech. Geht auch. Perfekte Größe.

Fehlte noch die Beilage zum Knödel, der jetzt Mascarpone-Brioche-Spinat-Knödel heißt. Viel Parmesan ist übrigens auch drin. Man mischt lauter leckere Sachen und am Ende schmeckt’s: Lecker. Neulich ergoss sich ein Füllhorn weiterer Leckereien über mir, direkt in meine Tiefkühlruhe. Darunter Perlhühner und Kaninchenrücken, für die ich mir schon was ganz besonderes ausgedacht habe, sie Freitag zum Auftauen rauslegte, dann Samstag arbeiten musste (Willst du den lieben Gott zum Lachen bringen: Erzähl ihm von deinen Plänen) und am Abend grade noch Lust genug hatte, den Rücken zu entbeinen, das Fleisch mit San Daniele zu einer Roulade zu wickeln, rundherum anzubraten, einzuschweißen und eine Stunde bei 68 Grad perfekt durchzugaren.

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Demnächst wieder Bilder von meiner Fake-Beton-Platte. Zuviel Weiß.

Und was macht man mit den Rückenknochen, der restlichen Mascarpone von den Knödeln und den getrockeneten Steinpilzen, die noch im Schrank rumliegen. Der Reihe nach. Steinpilze in etwas Wasser geben. Knochen anrösten, Schalotte gewürfelt dazu, anschwitzen, mit dem restlichen Riesling der auf der Arbeitsplatte im Weg steht ablöschen und stark einkochen. Durch ein Sieb in einen anderen Topf gießen. Mascarpone und von der Demi Glace rein, die man auf der Suche nach den Brioche nicht in der Kühltruhe gefunden hat. Hält man dann der Pürierstab in den Topf sieht die Sauce schon fast so aus wie auf dem Bild. Die Steinpilze in die Sauce und ein paar Löffel von dem Pilzwasser dazu. Abschmecken (Salz, Melange Blanc, Macis, weißer Balsamessig).

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Spitzmüller Fotografie.

Bleibt die Frage: Löst die Zubereitung eines schnuckeligen Kaninchens ähnliche Emotionen wie die eines Eichhörnchens aus und darf ich mich auf meinen persönlichen Shitstorm freuen? Die Adresse für freundliche Leserbriefe finden Sie im Impressum. Oder versuchen Sie´s mit einem Kommentar ;-)

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Herbstnudeln

Es ist Herbst, der Wind weht vom Baum, was im Frühjahr bei drei darauf gehüpft war. Wobei an dieser Stelle festgehalten werden muss, dass sich mitten ins idyllisch-bunte-der-Wind-weht-leise-die-Blätter-von-den-Ästen sogenannter Schneebruch eingeschlichen hat. Gut, grade im Moment sieht man nichts mehr davon, aber grade deshalb war es so wichtig, dass wir nochmal darüber sprachen. Sonst so: Winterreifen aufgezogen, Schneeschippe an die Stelle vom Gartenwerkzeug geräumt, Rasenmäher gewartet, Dachterasse abgeräumt, Herbstmenü gekocht, auf Winterzeit umgestellt, über Extraschlaf gefreut (und mitleidig getan, als Eltern von ihren Kindern erzählten), ein Bild von mir in der Lift bestaunt und freudig folgenden Teller erdacht:

Beim Gemüsemann hab ich mich am Babyspinat festgefressen. Kleine hübsche grüne Blätter und nussiger Geschmack, der sich auch morgens regelmäßig in einem Frühstücks-Smoothie mit Banane, Orangensaft und Joghurt gut macht – heute mal als Pesto, mit angerösteten Walnüssen, Parmesan und Traubenkernöl püriert (Puristen nehmen hier den Mörser) und mit Pfeffer, Salz und Walnussöl abgeschmeckt. Auf Knoblauch habe ich ganz bewusst verzichtet, so sehr ich ihn mag…

Geräucherten Bauchspeck auslassen und Champignons darin anbraten. In der gleichen Pfanne Blutwurstscheiben und Apfelspalten mit viel Geduld langsam anbraten und die Apfelspalten im eigenen Saft karamelisieren lassen. Wer mehr Herbst möchte, muss Laub auf dem Tisch verteilen ;-)

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Nördlich von hier

Das ist aber ein schönes Buch, denke ich, streichle ihm über den Rücken, und lasse einmal, wie im Daumenkino, die Seiten vorüberfliegen. Das riecht aber noch sehr neu, sagt sie und meint damit natürlich, dass das Buch nicht nur schön aussieht, sondern auch gut duftet.

Dreieinhalb Wochen Urlaub hab ich grade hinter mir, als ich von einem Segeltrip vor der Schwedischen Westküste heimkehre. Ungefähr drei Tage Traumwetter haben die Schweden im Jahr, erzählen sie uns, und wir haben so viel Glück, dass wir genau die jedes Jahr erwischen. Wobei es Nachts schon ein bisschen frisch war und mittlerweile kann man den Herbst auch schon riechen, wenn man Abends den Sommer aus den Zimmern lüftet.

Auf dem Pass, oder Frühstückstisch, je nach Laune, wartet ein Päckchen vom Mairisch Verlag mit lieben Grüßen von Stevan auf mich und wie durch Zufall schlägt sich das Buch an der Stelle einer Geschichte aus Krolleby, das eigentlich Knalleberg heißen sollte, was aber eine andere Geschichte ist, auf. Und so mischt sich die aufkommende Herbstmelancholie mit einer Geschichte aus dem verschneiten Norden Schwedens, Träumen von der Softeismaschine und einem Rezept mit Speck, Hack und Roter Bete, gebutterten Erbsen und Pilzesauce:

Grundsätzlich bin ich ja der Meinung, dass Menschen, die keine Macken haben, seltsam sind. Deswegen pflege ich meine Macken wie Andere ihren geleasten Neuwagen. Zum Beispiel lese ich Blog-Posts oder Kommentare von Kollegen aus den Nachbarländern immer mit eingebildetem Akzent. Zorra und Roberts Beiträge in Schweizerdeutsch, Katha in breitem Österreichisch, Micha liest sich Französisch und ihr solltet mal meinen Claudio im Italo-Schweizerdeutsch hören! Natürlich sprechen die alle (außer mir selbst – von der Mosel ins Schwäbische, beides keine sprachlichen Kompetenzzentren) akzentfreies Hochdeutsch, aber man liest sich ja gewissermaßen selbst vor und das soll keinesfalls langweilig werden. Was ich aber doof finde ist, wenn ich Akzent lesen muss – und so geschah es, dass Stevans Erstling erstmal keine großen Begeisterungsstürme hervorrief, startet doch gleich die erste Geschichte mit der Story eines grillenden Griechen in seinem Schrebergarten. Jetzt hab ich den aber kennengelernt, die Geschichte nochmal und nochmal gelesen und seitdem sind die ersten Seiten des Buches voller Flecken. Vollgeheult, so hab ich lachen müssen. Ganz groß, wie Stevan den Griechischen eingefangen hat. Dazu empfehle ich dringend einen Besuch im Dionysos mit anschließender Lektüre! (Mal gespannt was Schlaraffenland da noch für Überraschungen bereit hält)

Das Buch ist also schön, die Geschichten machen Spaß – bleiben die Rezepte. Während mit den meisten Rezeptschreibern die deutsche Gründlichkeit durchgeht, wird bei Stevan geknistert, beschöpft, untergeschlagen, gesetzt, begossen, gemengt, gestreut, gestückelt, zusammengeschoben, verrieben, zerrieben und entstrunkt. Die Zutaten sind mal tropfnass, die Sauce dicklich schaumig. Lese ich die Rezepte, sehe ich das Gericht vor meinem inneren Auge entstehen. Das macht allerdings nur Spaß, wenn man grade keinen allzu großen Hunger hat oder sich fern jeder Küche aufhält ;-)

Monsieur, der Hummer und ich, lag bei mir wochenlang nur herum, bis es eines Abends mit ins Bett durfte. Ich konnte die Augen erst zumachen, als das Buch zu Ende gelesen war. Ein Fehler, der mir mit Schlaraffenland nicht mehr passieren wird. Schließlich handelt es sich hier nicht um Fastfood. Schlaraffenland darf ins Küchenregal und immer wenn mir danach ist, letzten Samstag nach dem Frühstück z.B., dann lese ich eine Geschichte – auch wenn ich danach schnell zum Einkaufen muss.

Stevan Paul
Schlaraffenland
Ein Buch über die tröstliche Wirkung von warmem Milchreis, die Kunst, ein Linsengericht zu kochen, und die Unwägbarkeiten der Liebe

Infos zum Buch – mairisch Verlag
4. September 2012
Hardcover in Feinleinen
192 Seiten | 18,90 €

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Ahhh! Ohhh! Mhhh! –> N <– [Nierenzapfen]

Wie uninspiriert ich heute bin, es will und will mir einfach nichts einfallen zum Thema [N]. Aber einfach [N]ichts zu kochen wär ja auch traurig. Dabei ist das hier mein hundertster Beitrag. Keine Angst, ich werde mich nicht auf meinen Lorbeeren ausruhen – das verschieben wir mal auf den Tausendsten Beitrag. Nutella-Cupcakes, Nudeln oder Nusskuchen müssen aber auch nicht sein, für Arthurs Tochter denk ich mir gerne mal was besonderes aus. Und so gibt’s heute: Nierenzapfen mit Geflügellebersauce, Kräuterseitling-Risotto und kandierte Apfelscheiben.

Das Foto-Mojo ist auch irgendwo verloren gegangen, da merkt man schon den fortschreitenden Herbst – es wird früh dunkel und die letzten, entscheidenden Lichtstrahlen fehlen. Aber das ist so ein Ding, dass mich am Food-Bloggen irgendwie stört. Es dreht sich in erster Linie um die perfekte Präsentation, dabei sollte es doch in der Hauptsache gut schmecken und so werden dann Gerichte angehimmelt, die eigentlich ziemlich daneben waren, während echte Knaller (dieses hier, ich schwör) irgendwie mittelmäßig daher kommen. Muss ich mir wohl Mühe geben, das Ganze wenigstens angesprechend zu beschreiben!

Denke ich an [N] und Essen, kommt mir als erstes der Nierenzapfen in den Sinn. Ein echter Männer-Schnitt. Darf man das so sagen? Hier hinkt die deutsche Sprache wieder ein wenig hinterher – während beim Thema Cut sofort klar ist, worum es geht, denkt doch beim Thema Schnitt hier jeder an Haare, oder? Aber was ich meine ist, für dieses Stück Fleisch legt man am Besten eine Extra-Portion Kukident auf´s Gebiss, denn hier gibt´s Fasern zu beißen. Al Dente will man sagen, ein bissfestes Steak. Bissfest, ohne zäh zu sein. Und es schmeckt nach Fleisch, richtig intensiv und so mache ich es mittlerweile am Liebsten wie jedes andere Steak: Schluck Traubenkernöl in die Pfanne, bis es raucht. Steak rein, so lange bis es sich von alleine vom Pfannenboden löst, dann wenden und weiterbraten, bis es sich von der anderen Seite auch löst. Thermometer rein, Butter drauf, Kräuter dazu und ab in den auf 100 Grad vorgeheizten Ofen, bis eine Kerntemperatur von 59 Grad erreicht ist (das Fleisch verträgt das). Zwischendurch immer mal wieder ein bisschen Saft über´s Fleisch löffeln. Mit wenig Pfeffer und Maldon-Salz nach Lust und Laune würzen.

Mehr braucht´s eigentlich nicht, aber das ist hier kein Food-Blog für Puristen. Hier kommt Sauce ans Fleisch. Wiesenhof ist schon lange kein Thema mehr für mich. Glücklicherweise gibt´s hier ganz in der Nähe das Hofgut Mauren, die mich mit ganz tollen Hähnchen versorgen, die ich mir zuhause zerlege. Mal Schlegel, Flügel und die Brustfilets, manchmal löse ich sie aber auch ganz aus (wie das geht, seht ihr hier). Bleibt auf jeden Fall immer genug für nen Gefügelfond übrig – auch die Leber bleibt übrig. Im Allgemeinen ist Leber einfach nicht mein Ding – es sei denn es ist eine Entenleber und Arthurs Tochter brät sie persönlich an :) Aber, dachte ich mir, eine Geflügellebersauce zum Nierenzapfen könnte eine leckere Angelegenheit sein, da sich bei so ner Sauce ja Möglichkeiten genug ergeben, den Lebergeschmack im Zaum zu halten.

Die kreative Leistung bei der Sauce beschränkte sich auf die Auswahl des Rezepts. Hier hat es mir eine Variante von Essen und Trinken angetan – und siehe da, tatsächlich lässt sich die Leber mit Thymian und Zitronensaft so gestalten, dass sogar ich mir die Finger danach geleckt habe:


: Geflügellebersauce

  1. 300 ml Rotwein
  2. 30 g Zucker
  3. 1 El (3 EL) Aceto balsamico
  4. 1 Lorbeerblatt

  5. 200 g (100 g) Schalotten
  6. 130 g Butter
  7. 200 g Geflügelleber
  8. Salz, Pfeffer
  9. 150 ml Portwein
  10. 6 Pimentkörner (zerdrückt)
  11. 6 Stiele Thymian (Blättchen abgezupft und fein gehackt)
  12. 1 kleine Bio Zitrone

  1. Zunächst aus dem Rotwein, Zucker, Balsamico und dem Lorbeerblatt eine Rotweinreduktion kochen. Die Menge auf 100 ml Einkochen.
  2. Schalotten fein hacken, Schale der Zitrone fein abreiben. Zitrone auspressen.
  3. Die Gefügellebern in 30g Butter für 2 Minuten sanft anbraten, die Hälfte der Leber danach beiseite stellen. Die Leber sollte noch blutig sein.
  4. Schalotten in die Pfanne geben und kurz mit andünsten. Mit Pfeffer und Salz würzen. Portwein angießen und Pimentkörner dazugeben. 10 Minuten leise köcheln.
  5. Pfanneninhalt zusammen mit der beiseite gestellten Leber, Thymian, der Zitronenschale und 20 g kalter Butter in ein Gefäß geben und pürieren. Sauce durch ein feines Sieb passieren, mit Zitronensaft und eventuell Salz und Pfeffer abschmecken.
  6. Mit der Rotweinreduktion mischen und warm halten.

Zubereitungszeit: 45 minute(s)

Portionen: 6

4 :  ★★★★☆ 1 review(s)

Als Beilage gab´s noch ein Risotto, eigentlich mit Steinpilzen, hier allerdings mit Kräuterseitlingen – aber wer macht da schon nen Unterschied. Eigentlich ein Skandal, auf dem Wochenmarkt keine Steinpilze zu kriegen, aber watt willste machen… Zum Risotto selbst gibt´s eigentlich nichts zu sagen – das kriegt ihr ohne mich hin. Von den Pilzen hab ich jeweils rechts und links ein Stücke abgeschnitten, fein gewürfelt und zum Reis gegeben. Den Rest habe ich in feine Scheiben gehobelt und scharf angebraten als Unterlage für´s Risotto benutzt.

Richtig lecker wird so ein Leber-Gericht, wenn man ihm noch was Süßes an die Seite stellt. Die liebe Frau Hansen war, während ich vor der schwedischen Küste schipperte, nicht untätig und hat in unserem Lieblings-Lokal einen Salat mit Kalbsleberstreifen und kandierten Apfelscheiben genossen. Vor lauter Schwärmerei bin ich so eifersüchtig geworden, dass ich ihr auch ein paar Apfelscheiben kandiert habe. Dazu einen säuerlichen Apfel in dünne Spalten schneiden, 2 EL Zucker, 2 EL Lavendelhonig und ein bisschen Wasser in einer Pfanne zu dünnem Karamell kochen, die Apfelscheiben durchschwenken und auf einem Backpapier trocknen lassen. Bisschen zu süß, aber lecker. Vielleicht such ich beim nächsten Mal so nen richtig harten Viezapfel irgendwo raus, so einen, der Löcher in die Wiese macht, wenn er vom Baum fällt ;)

Mein Beitrag mit [N]:

Blog-Event LXXI - Rezepte mit N (Einsendeschluss 15. September 2011)

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