Betis semper est

Die Rote Bete. Sie kam mit den Römern nach Mitteleuropa. Is klar, aber wie darf man sich das vorstellen? Hannibal und 37 Elefanten folgt im Gleichschritt die Armee der Roten Beete? Auf ihren stummeligen Beinen, den unsymmetrisch runden Birnenbauch vor sich herschiebend, während die lange rot-grüne Mähne lässig im Wind weht? Vielleicht sah unser Gemüse früher schnittiger aus und die Beine sind erst verstummelt, als der Römer sie in genügsame Mitteleuropäische Erde pflanzte. Vielleicht ist die Bete erst dann dick und rundlich geworden. Ein Schicksal das mittlerweile vielen Mitteleuropäern droht.

In Orange-Gin-Wacholder gebeizter Lachs. Filetierte Grapefruit an Rote Bete Carpaccio mit frischem Rucola. Die Zeiten sind vorbei – heute alle eher so: Bete.Grapefruit.Rucola.Lachs. Da kann man sich den Weg auf der Geschmacks-Landkarte selber ausmalen: Im Süden geht´s los mit der erdig-süßen Bete, die sogleich vom bitterschaffen Rucola gebissen und der fruchtigen Säure aus der Grapefruit in den Himmel gehoben wird. Als Wegzehrung der Lachs. Der lag zwei Tage auf einem Bett aus gingetränkten Orangenscheiben, das Fleisch eingerieben mit einer Mischung aus Salz, Honig, schwarzem Pfeffer und Wacholder.

Apropos Landkarte. Schon gewusst, dass die Rote Bete aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse stammt. Treffen sich zwei Mantafahrer am Gemüseregal… Muahahahahaa…

Oder hier: Bete.Rucola.Ente. Fehlt eindeutig die Frucht, kann man aber mit einem süßlicheren Dressing in den Griff kriegen. Aber wie bringt man eine Entenbrust so wunderschön auf den Teller? Rückwärts braten? Sous Vide? Das Fett einschneiden, nicht ins Fleisch schneiden, in der knallheißen Pfanne die fette Seite kross bräunen, zwei Minuten auf der anderen Seite weiterbraten. In den Ofen schieben. So 140 Grad. Fernsehkochmäßig drauf rumdrücken, nebenbei der halbverhungerten, umstehenden Familie am Handballen die Sache mit dem Drucktest erklären, den Kommentar das sei kein Steak mit einem beleidigten Blick quittieren, aufschneiden und ein dickes Endstück mit einem Happs im Mund verschwinden lassen. Überlegen lächeln.

*Der Titel… Ob es wirklich das bedeutet, was der Google Übersetzer mit anbot? Kommentare?

Comments

    • says

      Ich zitiere mal aus einem schönen Buch: …er sieht, wann das Öl in der Pfanne die perfekte Temperatur zum Braten erreicht hat […] das Wissen um die perfekte Garzeit macht ihn glücklich, riechen, schmecken, hören, würzen, probieren, für sich allein, die Welt bleibt draußen.

  1. says

    Das darf man sich sicherlich nicht so vorstellen, dass die ersten Truppen gleich Rote Bete im Marschgepäck hatten. Später jedoch, als man sich häuslich eingerichtet hatte, gab es praktisch alles zu kaufen, was die Römer auch von zu Hause kannten. Das war so ähnlich wie Internet, glaube ich. – Frag mal Zorra, Küchenlatein oder Chili und Ciabatta. Die hatten damals schon die ersten Foodblogs.

  2. says

    Ein wahrer Könner scheints, aber bitte, wie soll ich denn mit Deiner saloppen Anleitung den Gin-Lachs schaffen? Ich mein, ich hab sowas ja noch nie gemacht…
    Lieben Gruß von Frau Ziii

  3. Englisch Übersetzung says

    Super Beeten-Ideen, von der Lachs-Kombi hab ich schon gehört, jedoch nich probiert. Und die bildliche Vorstellung, wie wohl die Rote Beete Europa erobert hat, zaubert ja einem wohl wirklich ein Lächeln auf die Lippen ; ))

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