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Deutschland Vegetarisch – Die kloße Liebe

Ob ich dafür in der Wortspiel-Hölle schmoren muss? Mir egal, ich wäre ja in guter Gesellschaft. Zwei Blogger schreiben ein Kochbuch (Oh nein! Bitte nicht!) Zum Glück waren es Katharina, die als Herausgeberin – und Autorin von Österreich Vegetarisch – Konzept und mit acht Seiten das ausführlichste Register aller Zeiten lieferte, und Stevan, der akribisch fleischlose Klassiker der deutschen Küche entstaubte ohne sie zu entstellen – sagen jedenfalls die, die sich auskennen. Für mich ist das Buch kulinarisch gesehen weitestgehend Neuland, da mir der Teil mit “auf dem Hocker stehend der Oma in die Töpfe guckend” leider im Aufwachs-Programm fehlte und Mikrowelle, Miracoli und Dosen-Ravioli gern gesehene Erleichterungen im Alltag der Familienmanagerin waren. Damit bin ich zum Einen der lebende Gegenbeweis, dass Hans durchaus noch lernen kann, was Hänschen vergönnt war und zum Anderen gefundenes Fressen für Deutschland vegetarisch.

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Dass nicht soviel Fleisch gegessen werden sollte spricht sich langsam herum und gerne wird mit winkendem Zeigefinger darauf hin gewiesen. Dass man sich mit diesem dabei genauso gut ein Loch ins Knie bohren kann wissen auch Katharina und Stevan, lassen ihn stecken und nehmen uns ab dem Vorwort mit auf eine genussvolle Zeitreise in die Küchen von Oma und Uroma. In die bewährten fünf Jahreszeiten aufgeteilt und mit dem neuen Goldstandard für Kochbücher (drei Lesebändchen) versehen geht es los mit dem Frühling. Eine Spargel-Sahnesuppe lacht uns an und unter dem Teller die heile Welt in Form einer Gänseblümchen-Serviette. Die deutsche Food-Fotografie ist deutlich verspielter als in Österreich, trotzdem machen ausnahmslos alle Bilder Lust auf die Gerichte, auch auf die, die schwieriger hübsch einzufangen sind. Wenn ich daran denke, wie meine Soleier im hohen Glas aussahen… Aber alleine die kurze Geschichte zum Hungerturm in Berliner Kneipen macht mir solche Lust auf einen Kater, dass ich sofort 12 Eier und einen Sud koche. Sollte man immer im Kühlschrank haben.

Der gebrühte Kohlsalat mit Äpfeln, Nüssen und Butterbrot hat weder von Stevan noch von mir ein Foto bekommen, dabei wäre der große Aufritt dieser Krautsalat-Variation durchaus verdient gewesen. Die Kombination von Kohl, Apfel, Kümmel und Haselnuss ist hiermit im limbischen System fest verdrahtet und wird sicher noch für die ein oder andere Kreation sorgen. Das im Sumpf der Low-Carb-Bewegung verlorene Brot als Beilage taucht in diesem Gericht als Butterbrot wieder auf, mit Schnittlauch bestreut und vielleicht etwas Salz eigentlich das Seelenessen schlechthin.

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Kartoffelsuppe mit Pfifferlingen – bei mir noch trotzig mit Blutwurst, nötig hat sie das nicht. Gut, es ist nicht die Erdäpfelsuppe aus der großen Schwester, muss sich dank der Pfiffferlinge aber nicht dahinter verstecken. So wertvoll wie die Rezepte selbst sind in Deutschland Vegetarisch die Varianten. Wer aufpasst kriegt hier nicht nur einen Haufen Zusatzrezepte sondern lernt viel für den Küchenalltag hinzu. Soll die Suppe cremiger sein – pürieren ist erlaubt. Keine Pfifferlinge bekommen oder die Haushaltskasse schon geplündert? Andere gebratene Pilze sind auch Okay – was das Marktangebot so hergibt. Das lockert dieses Buch ungemein auf und fördert beim Leser Kreativität und weckt den Entdecker-Geist. Was gibt es eigentlich wann an Pilzen auf dem Markt?

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Rote-Bete-Salat mit Meerrettich-Kümmel-Vinaigrette – Das Foto fällt etwas aus dem Rahmen. Aber was tun, wenn sich´s einfach nicht schön anrichten lässt? Großzügig durchmischen, dabei den Teller einsauen und wenigstens das Brot hübsch dazu trapieren. Hier darf man, auch wenn es nicht explizit dabei steht, übrigens auch ein Solei zum Salat reichen. Meerrettich gibt dem Salat den nötigen Pfiff und auf die Haselnüsse sollte so wenig verzichtet werden wie auf Kümmel.

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Steinpilze in Kräutersahne mit Ofenkartoffeln – Gab´s bei uns mit Pfifferlingen und Champignons. Getrocknete Steinpilze heben den Geschmack der Sahnesauce ungemein und dürfen über den Winter nie im Vorratsschrank fehlen.

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Graupenrahmsuppe – Ein fast ebenso weit verbreitetes Kindheitstrauma wie Rosenkohl. Überkommen. Ein bisschen zu süß, aber perfekt eingefangen von den frittierten Zwiebeln. Und dazu frittierte Petersilie! Nachmachen, hier lohnt sich die Schweinerei mit spritzendem Fett besonders!

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Laubfrösche mit Meerrettichsauce – Wie die Lebensmittel in diesem Buch gefeiert werden! Es macht einfach Spaß. Ok, dieses Gericht war mit Abstand das Aufwändigste, der von mir Nachgekochten, aber was sich daraus alles mitnehmen lässt: Überbacken mit Bröseln. Aromatisieren von Bröseln. Eine Füllung, die genauso gut eine Fleischfüllung sein könnte. Unmengen von Sahne, Milch, Butter, Eier, Brot. Toll! Und dann: The Return of the Mehlschwitze. Wo bist du nur all die Jahre gewesen? Seit wann macht man das eigentlich nicht mehr? So habe ich früher Tomatensauce gekocht: Mehlschwitze und Tomatenmark – hat noch immer gut geschmeckt ;-) Und jetzt schön mit Meerrettich. Hab ich schon Toll gesagt? Toll! Toll! Toll!

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Zwetschgenkuchen mit Streuseln – Ein Fest! Ich habe gleich zwei Bleche gebacken – die Markt-Muttis hatten ganz zauberhafte Zwetschgen, die ein bisschen saurer waren als die anderen. Dazu Streusel und dieser perfekt süße Hefeteig. Und der ultimative Streuseltip, den, ich habe alle Muttis und Tanten gefragt, noch keiner kannte. Die Butter erst schmelzen und dann wieder fest werden lassen. Beste. Streusel. Ever. Obendrauf Vanillesahne. Wer braucht da noch Geburtstag?

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Labskaus – Wau, Labskaus. Aber nach dem …im Gurkenwasser und 50g Butter zu Brei stampfen hatte er mich. Wir hatten Rote Bete aus liebevoll gepflegtem Eigenanbau und Gurken aus Eigeneinlage. Als ich dazu noch kleine Sellerie-Schnitzel gebraten habe, hat es irgendwo drinnen leise *klick* gemacht und ich mich gefragt, ob ich vielleicht ohne Fleisch leben kann. So ein köstliches Schnitzel hatte ich schon Jahre nicht mehr.

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Kartoffelklöße mit Champignons in Dunkelbier-Rahmsauce – Und nun habe ich endgültig mein Herz verloren. An die Kartoffel. An Schwarzbier, an Stevan, an Katha, an 1747. Mit Bier kochen – unbedingt! Und lasst das Köstritzer stehen – zieht los und sucht. Ich habe mehrere kleine Brauerein gefunden, die Schwarzbier im Programm haben. Das Gericht wird sicher ein Klassiker in unserer Küche werden und die Kartoffelklöße haben sich auch schon in Scheiben angebraten als Delikatesse erwiesen.

Fazit: Volle Punktzahl. Viele Menschen haben mit riesigen Erwartungen Deutschland vegetarisch entgegen gefiebert und soweit ich das überblicken kann, sind alle hin und weg. Deutschland Vegetarisch wird seinen festen Platz zwischen Ich helf dir kochen und Backen macht Freude finden.

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Geschmort

Neulich war ich als Schaukoch engagiert. Das war ein bisschen wie Bloggen nur irgendwie echter. Ich habe dabei so mehr oder weniger öffentlich – Menschen haben Eintritt bezahlt! – Hähnchenleber angebraten, mit einer Portweinreduktion (aus Portwein, Orangensaft und Zimt) abgelöscht und den zuschauenden Gästen auf kleinen Tellerchen innen rosa, außen süß-herzhaft bemantelte Leckereien serviert. Die Gäste haben dann freudig Kommentare abgegeben, ich hab zwischendurch von ganzen Hähnchen, Hähnchenteilen, Hähnchen zerteilen, Innerein, fruchtigem Pfeffer und flockigem Salz erzählt und ganz oft haben sie sich dann wieder angestellt und wieder kommentiert. Das war cool. Und interessant. Menschen erzählen unheimlich gerne vom Essen und mir schwant, dass Innereien einen besonderen Zugang zum Thema liefern, da die meisten Gäste von Früher, vom Essen bei Eltern und Großeltern, aber auch von Arme-Leute-Essen erzählten, womit ich jetzt mal ganz holprig den Bogen in Richtung Soulfood spanne.

Erinnerungen an Rinderfilet fehlen in meiner Kindheitserinnerung komplett. Keine Ahnung, wer das damals aß. Ganz präsent sind allerdings Erinnerungen an riesige Fleischstücke – wie einem im Rückblick alles so groß vorkommt… – die von elektrischen Küchenmessern auf Bierdeckeldicke zerteilt werden. Diese Geräte hatten ihren ganz eigenen Sound. Brrrraaaaaaat. Brrrraaaaaaaat. Braaaatttt. Nächste Scheibe Braten. Dazu das Saucenkännchen, Kartoffelberge – nächstes mal koch ich weniger – und das unvermeidliche Erbsen-Möhren-Gemüse. Und so war das nicht nur Zuhause, auch bei der Oma, die das allerdings in ihrem Holzofen schmiedete (während die andere Oma schon auf Ceran kochte). In offenem Feuer und gußeisernen Türen liegt ein besonderer Zauber und ich vermute in der fallenden Temperatur eines solchen Ofens auch das Geheimnis eines guten Bratens entdeckt zu haben. Am Anfang wird auf der glühenden Platte angebraten, mit irgendwelchem Fusel – die Regel mit dem Wein zu kochen, den man auch trinkt, gab es noch nicht – abgelöscht und dann solange geschmort, bis mit der Restwärme grade noch so die Sauce fertig gekocht werden kann. Bei der Holzofen-Oma übrigens immer mit Pilze drin! Champignons aus dem Glas, die wir ihr immer palettenweise vom Aldi mitbringen mussten…

Soulfood definiert sich für die Einen als DIE Küche des amerikanischen Südens, in dem Sklaven unter ärmlichen Bedingungen versucht haben das Beste aus dem Wenigen zu machen, was ihnen zur Verfügung stand. Ich seh das allgemeiner. Auch meine Großeltern haben das erlebt. Armut, Hunger, Flucht, Gefangenschaft, später Wohlstand und schließlich ein gewisser Überfluß, dem sich unsere Generation langsam bewusst wird und über die Einschränkung auf regionale und saisonale Lebensmittel sowie den Verzicht auf sogenannte Edelteile den Weg zurück zu unserer Art von Soulfood findet: Das Beste aus dem machen, was wir uns zur Verfügung stellen wollen. Wir haben die Wahl.

Ochsenschwanz mit Trockenobst

Und da so ein Gericht keine Haute Cuisine ist, braucht´s dafür auch keine ausgefeilten, grammgenauen Rezepte. Vom Ochsenschwanz hatte ich so ungefähr 1,5 Kilo. Der geringste Anteil davon ist Fleisch, aber trotzdem muss sich die Nahrungsmittelindustrie erst noch sowas geniales wie den Ochsenschwanz ausdenken. Fleisch, mit den eingebauten Geschmacksgeber Knochen und jeder Menge Bindegewebe, das sich mit dem langen, langsamen Kochen auflöst und die Sauce wie von alleine bindet. Das Fleisch wurde von mir mit Raz el Hanout gewürzt, gesalzen und im knallheißen Bräter rundherum angebraten, dann kurz beiseite gelegt um Wurzelgemüse (volumenmäßig ungefähr der Fleischmenge entsprechend) und einen großen EL Tomatenmark anzubraten. Abgelöscht wird mit Rotwein, den man mal weitergeschenkt bekommen hat. Dieser wird um etwa die Hälfte reduziert, dann das Fleisch wieder dazugegeben, mit Wasser (und wer hat) Rinds-, Kalbs-, oder auch Geflügel-Fond aufgefüllt. Das Fleisch sollte knapp bedeckt sein. Einige Pfefferkörner, Lorbeerblatt, Wacholder, Nelken, worauf man Lust hat – einfach mal an der Gewürzdose schnuppern – und – Deckel drauf – im Ofen bei um die 120 Grad 3 Stunden geschmort. Wer will kann auch länger, bei etwas weniger Temperatur. 30 Minuten vor Ende der Garzeit einen Strauß Kräuter dazugeben und bei der Auswahl dieser genauso verfahren wie bei der Auswahl der Gewürze. Dann nimmt man das Fleisch beiseite, lässt es abkühlen und widmet sich derweil der Sauce, in dem man erstmal den Topfinhalt in ein Sieb gießt (und die Sauce natürlich auffängt) und einreduziert. Der Ochsenschwanzsauce habe ich dann getrocknete Steinpilze, Datteln, Pflaumen und Ingwer zugefügt. Das führt natürlich zu ordentlicher Süße, die man aber mit etwas gutem Essig lässig im Zaum halten kann. Während die Sauce reduziert, das Fleisch vom Knochen ziehen und in der Sauce wieder aufwärmen.

Dazu gab´s gestampften Brokkoli mit Frischkäse und Pinienkernen. Ganz ok, aber muss man nicht haben.

Rinderbraten

Beim Rinderbraten verfahre ich genauso wie beim Ochsenschwanz, nur hier gab´s weder Raz el Hanout, noch Trockenobst in der Sauce. Mehr so klassisch. Auch gibt´s hier kein Fleisch vom Knochen zu pulen, abkühlen darf es trotzdem, solange die Sauce reduziert um es dann in dieser, in Tranchen, wieder aufzuwärmen. Es hat sich herausgestellt, dass ich es so am liebsten mag! Eigentlich hätte ich gerne Hochrippe geschmort, hatte die gute Metzgersfrau aber keine dabei. Allerdings scheine ich mich mit der Frage und der anschließenden Diskussion für eine Tüte Suppenknochen qualifiziert zu haben, die die Gute mir zum Braten schenkte :-) Deshalb hab ich auf den Fond verzichtet und statt dessen die Knochen mitgeschmort, was sowieso immer erlaubt ist.

Außerdem kamen hier endlich Bushis Essig-Zwetschgen zum Einsatz. Langweiliger Titel, genialer Geschmack. Außerdem verfeinerten Reste des Suds die Sauce. Was hab ich ein Glück die Gute zu kennen, hat sie mir das Rezept doch selbstlos, schon lange bevor es bei ihr erschienen ist, zum nachkochen überlassen.

Dazu gab´s Kürbispüree – im Ofen garen, mit Butter stampfen und Melange Blanc abgeschmecken, sautierten Rosenkohl – in Salzbutter mit Puderzucker und Muskat, und schließlich Petersilienwurzel-Chips – in Wasser einweichen, in etwas Öl schwenken und wenn der Kürbis gar ist im heißen Ofen bei Umluft “trocknen”.

Geschmorter Nierenzapfen

Mein geliebter Nierenzapfen – ihr seht das letzte Stück, das noch in meiner Kühltruhe lag. Auch der lässt sich toll schmoren, am Besten wie der Rinderbraten.

Als Beilage wieder Kürbispüreewir nutzen was wir haben – und Apfel-Blutwurst-Taler, für die ich jeweile das Kerngehäuse aus einer Apfelscheibe ausgestochen habe und ein ebenso ausgestochenes Stück Blutwurst darin versenkt habe. Das Ganze von beiden Seite vorsichtig anbraten. Geht immer!

Hinterher braucht´s dann immer öfter noch ein Schnäpschen – dazu empfehle ich einen Drink, der so nebenbei beim Foodpairing rausgefallen ist:

Zwetschge – Bourbon – Zitronenmelisse

4-6 Zwetschgen, je nach Größe, entkernen und mit 1 EL Zuckersirup und 6 Blättern Zitronenmelisse zerstampfen (muddeln sagen die feinen Herren, aber lassen wir das), durch ein feines Sieb in ein schmuckes Glas passieren, mit Crushed Ice und Bourbon auffüllen und einem Zweig Zitronenmelisse garnieren.

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Don´t stop the Groove

Grade vier Wochen ist es her, dass wir ein wahnsinnig grooviges Wochenende erleben durften (Das Who is Who der versammelten Foodbloggerwelt berichtete). Am Liebsten möchte man die Erinnerung an das Erlebte schön rahmen und an einem besonderen Platz im Herzen aufhängen.

Oder man legt nochmal ne Schippe drauf – das Rezept dazu ist sehr einfach, man nehme:

  1. Termin zur Abholung der Kuchen-Transportbox vereinbaren.
  2. Gemeinsam überlegen, ob man das nicht gleich mit lecker Essen kombinieren soll.
  3. Feststellen, dass man ja auch selbst gut kochen kann.
  4. Zusammen kochen
  5. Für mein “Ran an den Speck” Event
  6. Aus dem Elverfeld

Daraus wird nicht weniger als ein Sonntag-Nachmittag mit tollen Menschen, tollem Essen und tollem Wein – Ostern, Weihnachten und Geburtstag an einem Tag. Auf der Speisekarte stand:

Jungschweinebauch mit Entenleber, Zwetschgenmus & Kaiserschmarrn.

Der Wahnsinn nahm schon sechs Tage im Voraus seinen Lauf. Der Schweinebauch wollte gegrillt, vakuumiert und 14 Stunden bei 68 Grad gebadet werden. Männersache. Da das Gericht nicht im Rahmen eines vielgängigen Menüs präsentiert werden sollte, war ich so großzügig die Fleischmenge zu verdoppeln und bat in der Metzgerei der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall um 700 Gramm Bauch vom Mohrenköpfle und habe genau das bekommen, auf´s Gramm. Die lieben Lebensmittel!

Frisch von der Schwarte getrennt, mit Meersalz und weißem Pfeffer ging der Wahnsinn auf dem Grill weiter. Eine echt abenteuerliche Sache so viel Fett über glühenden Kohlen zu balancieren. Zwei Blöcke Buchenholz sorgten für ordentliches Raucharoma, das dann zusammen mit etwas Olivenöl und dem Fleisch in meinem letzen Vakuumbeutel versiegelt wurde.

Es folgten fünf schlaflose Nächte, begleitet von einer ausgewachsenen Sommergrippe und der Sorge, was wohl mit dem Rauch- und Grillaroma passiert. Bekommen wir Fleisch, das nur noch nach verbranntem Holz und Grill schmeckt? Schweinefleisch mit Raucharoma? Am Ende war es der zweitbeste Schweinebauch meines Lebens. Platz eins ist leider schon auf alle Zeit vergeben – der brutzelte im Schwarzwald zwischen zwei glühenden Holzstämmen, morgens um sechs, nach einer der legendären Adler-Parties…

Wahnsinnig lustig fanden wir die Schwartenchips – übrigens bei Atkins-Jüngern ein sehr beliebter Fernseh-Snack und garantiert Kohlenhydratefrei ;) Um diese Chips herzustellen, wird die Schwarte zunächst für zwei Stunden beim 100 Grad im Konvektomaten gedämpft. Meine Näherung an einen Konvektomaten bestand aus einem Dampfdrucktopf, in dem die Schwarte, mit Traubenkernöl massiert, drucklos aufquoll. Nach meinen Physikkenntnissen müssten in einem solchen Topf, ohne Druck, ungefähr 100 Grad herrschen – aber ich lass mich da gerne nochmal aufklären! Da ich auch keinen Dehydrator mein Eigen nenne, der Backofen aber ein Dörr-Programm hat, wurde die Schwarte, mittlerweile in dünne Streifen geschnitten, dort getrocknet und mussten bei Astrid nur noch im Wok frittiert werden. Mit Salz, weißem Pfeffer, Koriandersaat und Chili wurde daraus der crunchige Teil unseres Tellers.

Das Kochen in einer fremden Küche habe ich unterschätzt. Nicht, dass ich Stress mit Karamell kochen hätte, aber da geht ja auch schon mal was daneben. Oder flambieren. Hab ich zwar noch nie gemacht, aber wenn ich eine Küche abfackle, dann doch wenigstens nicht meine eigene. Aber ich hatte Astrid an meiner Seite, die meine zitternde Hand tätschelte während sie mit dem Brenner in der anderen Hand das Zwetschenwasser in Brand steckte. Alles halb so schlimm – mach ich jetzt öfter.

Das Zwetschgenmus war ohnehin so ne Aromenexplosion. Eigentlich bin ich kein großer Freund von zu vielen Zutaten, aber hier fügten sich Zwetschgen, Vanille, Zimt, Lorbeer, Sternanis, Portwein, Rotwein, Zwetschgenwasser, alter Balsamico, ein Schlückchen Fleischsaft aus dem Vakuumbeutel, Maldon-Salz und eine eigens zusammengestellte und geröstete Pfeffermischung zu einem runden Mus zusammen. Klopf ich uns mal frech selbst auf die Schulter für ;-)

Und sowieso: Die Frau kann ja kochen… Eine Freude da mitmachen zu dürfen. Wie selbstverständlich wird da der Kaiserschmarrn (Eugen, zieh dich warm an) gerührt, gebacken und karamelisiert, die Entenleber mehliert und angebraten, nebenbei köstlichster Wein serviert, auf den Stuhl und in den riesigen Einbauschrank geklettert, der Mitkocher mit lebenswichtigen Utensilien versorgt (Teigschaber hier, Sieb da, ein Schüsselchen und noch ein Schüsselchen), großzügig über Albernheiten hinweg sehen (Pürierstab ohne Messer verwenden sorgt höchstens für Wirbel) und dann letztlich und endlich einen Schritt zurück getreten und den Gastkoch anrichten gelassen. Große Geste, große Ehre :)

Wir haben gelacht, gekocht, gegessen, getrunken, genossen – über Stunden ging uns der Gesprächsstoff nicht aus, aber plötzlich war es still. Anrichten war angesagt. Wie uns der P.hotograf später versicherte, muss es wohl ein beeindruckender Moment gewesen sein. Fand ich auch. Stundenlange Bemühungen kulminieren in wenigen Sekunden auf einem Teller. Das Aqua hat dafür 14 oder so Köche, aber zu zweit macht das viel mehr Spaß:

Und als wär das Alles nicht schon Ehre genug, durfte ich auch noch mit Astrid zusammen die neue Eismaschine in Gebrauch nehmen. Dazu hatten wir uns im Vorfeld gemeinsam das Lavendel-Honig-Eis von David Lebovitz ausgesucht, das Astrid hervorragend mit feinem Lavendel-Honig vorbereitete und die gute Eismaschine daraus einen cremigen Traum bereitete. Dazu gab’s von mir noch in Pernod gebackene Feigen, ebenfalls mit etwas Honig. Die perfekte Beilage für das Eis, schön heiß mit leichtem Karamell-Cross… Wenn´s denn so gewesen wäre ;) Aber ganz ohne Pannen läuft´s bei mir garnix…

Immer wieder denke ich gerne an diesen Sonntag zurück – schon allein wegen den 746 Bildern, aus denen ich diese Auswahl getroffen habe. Definitiv mein schönstes Kocherlebnis. Ich schließe jetzt kurz die Augen, mache gedanklich einen Rahmen um diesen Artikel und hänge ihn mir an einem besonderen Ort auf. Astrid, vielen Dank, dass du das möglich gemacht hast. Lieben Dank auch dem Kamerakind P. und last but not least: Danke Frau Hansen für die Geduld :)

Und natürlich nehmen wir ganz offiziell teil:

Blog-Event LXX - Ran an den Speck (Einsendeschluss 15. August 2011)

Und bitte lest hier weiter: Kunst Buch Essen Kochen

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Per aspera ad astra

So ein S-C-H… Da hat alles geklappt, außer das aus-dem-Förmchen-heben. Deswegen sieht diese äußerst schmackhafte sog. Zwetschgen-Crumble-Tarte mit Mandelcreme auch ein bisschen anders aus, als im Buch aus dem ihr Rezept stammt – Drei-Sterne-Küche von Gordon Ramsay.

Die ganze Geschichte rund um diese Michelin-Sterne ist ja extrem faszinierend. Und der Kreis der 3-Sterne-Köche äußerst exklusiv. Irgendwas über 70 “Kollegen” logieren aktuell auf diesem Koch-Olymp und haben damit schon außergewöhnliches geleistet. Und sie werden es weiter leisten müssen um dort zu bleiben. Ist ja kein Nobelpreis so ne 3-Sterne-Auszeichnung, also nix mit Milliönchen einstreichen und von der Bildfläche verschwinden. So nen Job muss man echt lieben…

Mein erster Kontakt mit der Sterneküche stammt also aus der Abteilung Patisserie. Kein Wunder bei der Herkunft ;-) Ich hätte ja gerne noch Bilder vom Entstehungsprozess präsentiert, aber ich war beschäftigt mit:

  • Teig für den Boden
  • Mandelcreme
  • Crumbleteig
  • Zwetschgenspalten pochieren
  • Zwetschgensoße kochen
  • Zwetschgenpüree machen

Und dann ja auch noch nach und nach backen, also erstmal den Boden, dann noch ein bisschen mit der Mandelcreme und am Ende mit dem Obst und Crumble. Auch wenn das Ergebnis auf dem Bild alles andere als sternetauglich ist, die Törtchen waren es auf jeden Fall. Im Moment steht dieses Rezept auf Platz 1 der Nachtischkandidaten für´s Weihnachtsmenü, das ich mir dieses Jahr aufgeladen habe. Natürlich sind noch ein paar Wochen Zeit, aber sowas muss ja gut vorbereitet sein!

Mal schauen ob ich nachher noch Lust hab Ravioli zu machen – oder lieber die zwei noch übrigen Törtchen futtere ;-)

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