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Mein Ostermenü

Menü macht Müh. So oder ähnlich habe ich schon viele Entwürfe begonnen und am Ende doch wieder verworfen. Gerne hätte ich erzählt, wie ich nach vielen Stunden Küchenkampf kugelrund gegessene Gäste in die dunkle Nacht entlassen habe, irgendwas war aber immer. Meistens die Bilder – nach der Vorspeise vergessen zu fotografieren, oder nach der Hauptspeise keine Kraft mehr einen Fototeller anzurichten… Dieses Mal war alles anders. Herr Weyhmüller vom Gäubote hat mit der Aussicht auf eine Seite in der Samstags-Ausgabe meinen Sportsgeist geweckt und zugelassen, dass ich meiner Kreativität freien Lauf lassen konnte.

Liebe Freunde haben ertragen, wie ich mit einem Fuß auf der Haushaltsleiter balancierend unter der Hitze von 800 Watt Bild für Bild schoss und sich sogar um den Fototeller gerissen. Die Lust auf kaltes Essen ist kein reines Foodblogger-Problem mehr.

Zur Begrüßung gab es einen Winzersekt und Kartoffel-Käse-Kekse. Zur weiteren Vorbereitung der Geschmacksnerven auf den langen Abend habe ich mich ganz frech dem Gruß aus der Küche bedient, der uns in der Woche zuvor in der Linde gereicht wurde: Ein Ziegenkäse-Espuma auf Gurkenwürfeln, garniert mit einem winzigen Kirschtomatehälfteviertel. Aus einem Endstück Rinderfilet habe ich noch vier Tatar-Pralinen gehackt, gefüllt mit einer Kaper, garniert mit Meerrettich-Frischkäse und Parmesansegel.

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Zur Oster-Vorspeise empfiehlt der Chef dieses Jahr Spargel. Hier rücken wir mal von den Klassikern ab und servieren eine Cremesuppe in Grün, getoppt mit Waldmeister-aromatisierter Milchschaumhaube und Röstbrot. Zum Rezept.

Grüne Spargelcremesuppe mit aromatisierter Milchhaube und Röstbrot

Dass man aus einer Räucherforelle eine köstliche Mousse machen kann, zeige ich in der zweiten Vorspeise. Präsentiert auf Rösti, flankiert von Feldsalat mit Preiselbeer-Meerrettich-Dressing. Zum Rezept.

Räucherforellenmousse auf Rösti und junger Pflücksalat mit Preiselbeer-Meerrettich-Vinaigrette

Bei der Hauptspeise habe ich mich schwer getan. Aber letztendlich gibt´s den Klassiker des Hauses auch auf Blog und in der Zeitung: Schweinebauch in Whiskey-Karamell, salziger Dinkelschmarrn mit Schwartenbröselkruste und saure Linsen. Zum Rezept.

Schweinebauch in Whisky-Karamell, salziger Schmarrn und saure Linsen

Die Nachspeise fiel mir in der Auswahl definitiv am leichtesten: Ein Parfait von Weißer Schokolade mit Mandeln und Pistazien – in Anlehnung an weißen Nougat. Dazu Rhabarberkompott und Streusel. Zum Rezept.

Parfait von weißer Schokolade mit Mandeln und Pistazien, Rhabarber-Ragout und Streusel

Und zur allgemeinen Belustigung noch ein Outtake ;-)

Outtakes

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Frohes Neues!

Meine Lieben! Ich wünsche euch ein tolles neues Jahr und immer eine handbreit Sauce unter´m Tellerrand. Entgegen dem Trend zu Reduzierung und innerer Einkehr hab ich´s zum Jahresabschluss in der Küche nochmal so richtig krachen lassen – für Anderes fühl ich mich einfach noch zu jung – und damit meine ich jetzt eher die geistige Reife ;-) Aber nachdem die jetzt folgenden Teller gestern Abend alle ordentlich an den Tisch kamen, wurde mir klar – sowas gibt´s erst zum nächsten Schaltjahr wieder. Vielleicht.

Begrüßt haben wir unsere Gäste mit einem Gläschen Rieslingsekt und Klassikern mit Wiener Würstchen. Da gab es die fast schon legendären Kartoffelsalat-Pralinen mit Apfelkaviar, Mini-HotDogs mit Curry-Gurken und Rotwein-Zwiebeln und etwas, was als schwäbisches Sushi geplant war. Leider kam mir die Idee alles in einer Kalbsfond-Folie einzuwickeln so spät, dass kein E461 mehr aufzutreiben war. Also stellt euch einfach vor, das Würstchen sei in Linsen gehüllt und außen rum eine formstabile Hülle von handgeschabten Spätzle… Die Linsen im Entenfond zu garen war eine gute Sache!

Die Brokkoli-Suppe habe ich mir bei Robert abgeschaut – seinen Blog möchte ich euch unbedingt ans Herz legen! Dazu gab´s geröstete Mandeln und Mandelmilch Panna Cotta, aus der ich ein paar Sterne ausgestochen habe. Macht sich toll und löst sich Dank Gelatine statt Agar-Ager schön in der heißen Suppe auf. Tolle Suppe, Danke Robert für´s Rezept!

Aus dem Kochbuch des Eleven Madison Park wollte ich schon lange was nachkochen. Dieses Gericht hatte es mir beim Durchblättern besonders angetan: Garnelen und Baby Calamari in einer Orangen Beurre Blanc gegart. Konfierte Kartoffeln, Gnocchi, Selleriepüree, kandierte Zitronenschale, sautierte Staudensellerie, Kartoffelchips – mag ich alles sehr gerne – geht alles gut zusammen.

Die Lamm-Krone mit Roter Beete, Brot-Croutons und Wasabi-Honig-Spähren sind dem aufmerksamen Leser längst bekannt. Und wer weiß, wie Food-Blogger funktionieren, dem ist auch klar welche Ehre es für einen Teller ist, ein zweites Mal liebevoll zubereitet und vorgestellt zu werden. Das Lamm habe ich dieses Mal, wie die Rote Beete, im Vakuum gegart. 60 Minuten bei 60 Grad, dann zusammen mit Knoblauch und Thymian in die knallheiße Pfanne – schön arosieren, wie wir das in der Küche von Karl-Josef Fuchs schon sehen durften (allerdings ohne die Flammen). Nach diesem Lamm hätte man genauso gut aufhören können, besser geht´s einfach nicht, so zart wie lecker…

Wir haben uns danach ein Zitronensorbet mit Wodka und Frizzle gegönnt (auch hier lässt Spielweg wieder grüßen ;-) ) und leider vergessen zu fotografieren. Meine alte Schwäche, wenn´s schmeckt gerät das Fotografieren zur Nebensache, wie man bei allen Bildern des Abends gut erkennen kann – vielleicht wär das ne Idee für einen guten Vorsatz…

Für den Enten-Gang hab ich mich nochmal bei Christian Bau und seiner Entenkeulen-Pastilla bedient. Wieder mit Spinat-Matte und Frühlingsrollenteig. Statt Gänse- gab´s Entenleber und wieder kein Entenherz. Dazu habe ich einen Feldsalat gereicht, mit Kartoffel-Chips und Mango.

Der Nachtisch – serviert so gegen halb zwei – sieht man dem Foto kaum an… Es gab ein Apfel-Mandel-Törtchen nach Gordon Ramsay, Marzipan-Bratapfel-Eis, leider etwas außerhalb vom Fokus, deswegen unten nochmal eine Archiv-Aufnahme. Lebkuchen Panna Cotta und ein Pecan-Whiskey-Karamell-Sößchen. Auch wenn der Hunger heute noch nicht zu Besuch war – davon könnte ich grade nochmal eine Portion verdrücken. Wie schön, dass noch eine da ist ;-)

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Beim Menü ist´s wie beim Einkaufen…

…nie mit leerem Magen loslegen. Typisch Chef Hansen – erstmal ausprobieren und dann gucken, wie man´s richtig macht. Kurzfristig hat sich ein Besuch ergeben, auf den wir uns schon lange gefreut haben, da die Lieben nicht an unserer Hochzeit im Herbst teilnehmen konnten. Da wir auch zufällig Urlaub hatten und ich bekanntermaßen keine Probleme damit habe auch mal einen ganzen Tag in der Küche zu verbringen war recht schnell die Idee geboren, ein Hochzeitsmenü für uns Fünf zu kreieren. Die Rahmenbedingung waren klar: Möglichst viel vom Grill und möglichst viel vorbereitet, da der Koch auch als Gastgeber und Stimmungskanone im Einsatz war und außerdem schlecht ständig zwischen Grill und Küche (vorbei an der Tafel) rotieren konnte wollte.

Im Hintergrund brodelten schon lange Ideen von Speisen, die ich ausprobieren wollte: Rib-Eye-Steaks vom Grill, die gelierte Waldmeisterbowle vom Betriebsausflug, Mille-Feuilles, Margits Mojito-Sorbet, mal wieder ein Espuma, natürlich Eis und was Asiatisches. Aber der Reihe nach. Meine Bastel-Queen und Ehefrau (klingt immernoch irgendwie komisch *kicher*) hat eine wunderschöne Karte entworfen, die den Gästen als Orientierung für den Nachmittag diente und auch euch schonmal einen Überblick über die Menüfolge geben soll.

Was man nie überschätzen sollte bei so´ner Fünf-Gänge-Geschichte ist der Hunger. Ist genau wie beim Einkaufen – man sieht hier was leckeres, bekommt da noch eine tolle Idee und am Ende der Woche muss man im schlimmsten Fall etwas wegwerfen. Und kann mir mal bitte jemand erklären, warum die Steaks beim Metzger aussehen wie winzige Probierscheiben vom Schinken und wenn man sie zuhause aus dem Kühlschrank nimmt haut´s einen beinahe Rückwärts auf dem gefliesten Boden? Aber der Reihe nach…

Apfel-Ziegenkäse-Taler auf Feldsalat mit karamelisiertem Thymianzweig. Der Thymianzweig ist nicht nur Deko sondern eine durchaus leckere Knabberei – einfach Thymianzweig durch karamelisierten Zucker ziehen und abkühlen lassen, dann abnagen. Aus zwei säuerlichen Äpfeln habe ich ca. 1cm dicke Scheiben geschnitten und auf dem ordentlich vorgeheizten Grill zuerst von einer Seite gebräunt, dann gewendet, den Käse aufgelegt, mit wenig Zucker bestreut und den Deckel vom Grill geschlossen. Der Käse soll weich sein, aber kaum verlaufen – hier bietet sich ausnahmsweise der Einsatz von Alufolie an. Der Zucker sollte leicht karamelisiert sein – hier darf dann auch mit einem kleinen Brenner nachgeholfen werden. Auf Feldsalat mit einen Dressing von Olivenöl, weißem Balsamico, Senf, Honig, Knoblauch, Pfeffer und Salz anrichten – Thymianzweig reinstecken.

Begleitet hat alle Gänge mein liebstes Brot zum Zuhause backen: Das Spitz von Ketex. Außerdem gab es eine Kräuterbutter mit frischen Zutaten von der Dachterasse: Rosmarin, Thymian, Schnittlauch, Basilikum und Salbei – dazu etwas Salz. Einfach die Butter weich werden lassen, alles in einen Mixer geben und mit Fleur de Sel abschmecken.

Der Fisch – hier gab´s Lachssteak (das man wohl eher als Paillard bezeichnen sollte, was aber gut so war, ich sag nur: Hunger) mit Süßkartoffelgratin. Den Lachs habe ich kurz von beiden Seiten gegrillt und mit etwas Olivenöl und Fleur de Sel gewürzt. Lecker war´s, leider aber auch sehr grätenreich. Ich brauch dringend mal nen tollen Fischhändler (oder sollte selbst nochmal genauer drauf schauen). Das Süßkartoffelgratin hat sich mittlerweile etabliert und diente schon als Beilage zu (sehr gelungener) Dorade vom Grill und (sehr misslungenem) Ochsenschwanz. Das Rezept dazu folgt in einem eigenen Beitrag.

Zur Erfrischung, und um dem Hunger eine zweite Chance zu geben, war das Mojito-Sorbet von Margit eine tolle Idee und wurde von allen Gästen hoch gelobt. Auch ich war sehr zufrieden. Bei der Zubereitung noch ein bisschen skeptisch war´s dann aber abgekühlt und mit dem Gläschen Rum eine leckere und runde Sache. Dafür auch hier nochmal Vielen Dank, Margit!

Eigentlich wollte ich zum Steak einen einfachen Krautsalat zubereiten, aber das erste Rezept aus der Grillbibel hat uns nicht besonders gefallen. Leicht verunsichert habe ich das Menü dann auch auf Facebook nochmal zur Diskussion gestellt und bin Dank eines Kommentars von Arthurs Tochter auf die Idee gekommen nach einem asiatischen Krautsalat zu suchen und bin recht bald in der BBQ-Bible fündig geworden – dort unter dem klangvollen Namen Shogun-Salat. Neben Weißkohl, Karotten, Frühlingszwiebel, roter Paprika und Kaiserschoten besteht dieser aus einem Dressing mit Wasabi, Ingwer, Knoblauch, Reisessig, Zucker, geröstetem Sesam und Sesamöl. Wie ich finde eine ideale Ergänzung zum Rib-Eye-Steak mit Espresso-Chili-Kruste, für die 2 EL Espresso-Bohnen mit Kreuzkümmel, Chili und Zucker gemahlen wurden. Anstatt der fünf Steaks habe ich allerdings nur drei gegrillt, die wir dann großzügig unter uns aufgeteilt haben – gute Idee, denn der Hunger ging langsam zur Neige.

Aber ein Nachtisch geht ja immer noch rein – wie schön, dass ich Drei vorbereitet hatte: Basilikum-Eis, Erdbeer-Mille-Feuilles und gelierte Waldmeisterbowle. Die Mille-Feuilles waren allerdings Mini-Portionen und ließen sich entsprechend anrichten. Da mir mein Bauch und der steigende Alkoholpegel ein bisschen im Weg waren sehen die Teller leider nicht so besonders aus – auch der Espuma wollte nicht mehr richtig aus seinem Siphon, in dem er übernachten durfte. Das ist ja so: Ein Becher Crème Fraîche, 50g Zucker und der Saft einer Limette wurden von mir fachmännisch gemixt. Dann kamen da zwei Blatt Gelatine drunter (in kaltem Wasser einweichen, in warmem Topf auflösen, erst ein Löffelchen von der kalten Masse darunter rühren, dann noch ein Löffelchen und noch eins und dann diese Masse wieder zurück gießen) – mit Sahne auf 500ml auffüllen, in den Siphon, Patrone reindrehen und ab in den Kühlschrank. Klar, einen halben Tag später ist das fest – und unter zuviel warmem Wasser wird es wieder: Flüssig. Egal, gelernt habe ich jetzt wieviel warmes Wasser und wie oft schütteln nötig ist – leider war´s für den Teller ein bisschen zu flüssig, was dem Geschmack jetzt aber keinen Abbruch tat: Schön frisch und der ideale Gegenpart zu den marinierten Erdbeeren (Details dazu im Basilikum-Eis Artikel).

Mein persönliches Highlight war allerdings die gelierte Waldmeister-Bowle. Dazu habe ich 250ml Leuterzucker mit einer Flasche Weißwein (trockener Riesling) aufgekocht, eine handvoll Waldmeister-Zweige darin vier Minuten köcheln lassen, 6 eingeweichte Blätter Gelatine darin aufgelöst und später noch 3 EL gehackte Waldmeister-Blätter darin ziehen gelassen. Das muss man zwar nicht tun, aber ich mag die Blätter im Gelee sehr gerne. Natürlich sinken Die erstmal zu Boden, aber wenn das Gelee anzieht muss man nur noch einmal durchrühren und hat alles gleichmäßig verteilt (und es bleibt auch dort wo es hingehört).

Die Gäste waren sehr angetan vom Menü, ja, von einzelnen Komponenten sogar völlig begeistert und auch der Koch sank am Ende des Tages zufrieden auf der Couch in sich zusammen. Viel gelernt habe ich, Spaß hat´s gemacht und Blut geleckt hab ich auch noch – deswegen gibt´s das auch bei Gelegenheit mal wieder, mit Portionen, die jeder bewältigen kann. Und weil außerdem Alles so schön bunt war, reiche ich gleich das ganze Menü beim Blog-Event “Farbenfrohe Gerichte” ein, das dieses Mal von der farbenfrohen Sylvia ausgerichtet wird ;-)

Blog-Event LXIX - Farbenfrohe Gerichte (Einsendeschluss 15. Juli 2011)

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Georgia on my Mind

Seit Weihnachten habe ich eine neue Leidenschaft: Menüs kochen. Ein hübsch angerichtetes, ausgewogenes Gericht ist dabei eine Sache und schwierig genug. Aber die wahre Freude ist für mich neuerdings ein ganzes Menü zusammenzustellen. Dabei gibt es verschiedene Ansätze. Man kann das Ganze dramaturgisch aufbauen: Ein Amuse Bouche reißt dabei sozusagen den Vorhang auf, die Vorspeise bereitet subtil auf den Hauptgang vor, der für sich genommen atemberaubend sein muss. Und wer sich dann kulinarisch auf dem Höhepunkt wiegt wird mit dem Nachtisch aus den Socken gehauen. Daneben ist es wichtig ordentlich vorbereitet zu sein und die einzelnen Komponenten auch zeitlich gut aufeinander abzustimmen. Da kann es dann schonmal sein, das Teile des Nachtischs am Vortag zubereitet werden müssen und einzelne Bestandteile verschiedener Gänge durcheinander gekocht werden.

Alternativ – oder zusätzlich – kann man dem ganzen ein Motto geben. Ein italienisches Menü z.B. mit traditionellen, landesspezifischen Gängen. Als ich Sonntag vor einer Woche mal nicht einschlafen konnte, weil ich so vom mexikanischen Menü der Koch-Area 51 begeistert war (die hatten Gold auf ihren Nachtisch gebacken) kam mir neben der Idee für ein James Bond Menü mit 22 Gängen (22 Filme), bei denen quasi jeder Gang einen Film zitiert, folgendes Motto-Menü in den Kopf: Georgia on my Mind. Drei Gänge aus dem Amerikanischen Südstaat.

Kürzlich habe ich mir auf Empfehlung Jamies Amerika gekauft. Zwischendurch war ich mal ein bisschen gelangweilt von Jamie. Parmesan, Speck, Thymian und Pinienkerne in sämtlichen Kombinationen hing mir ein bisschen zum Hals raus. Andererseits ist Natürlich Jamie aktuell mein Lieblingskochbuch – es kommt meiner Vorstellung von Kochen am Nächste. Und dann kommt dieser amerikanische Band mit Rezepten für Krokodil-Filets daher. Das Rezept für die Bällchen aus Wurst hingegen hat mich begeistert – Jamies Amerika hat aber auch ein Kapitel über Georgia und so war das mit dem Motto-Menü dann doch ganz einfach – Drei Gänge auswählen, nachkochen, Glücklich sein!

In den Abend gestartet sind wir mit einem gemischten Salat mit Äpfeln, Chicorée, kandierten Pekannüssen und einer Orangen-Vinaigrette. Tolle Sache mit diesen vielfältigen Aromen: Bitter Sweet Salad Symphony:

Der Hauptgang hat mich wirklich aus den Socken gehauen. Eigentlich bin ich nicht so der Bohnen-Fan. Manchmal mach ich sogar Chili ganz ohne Bohnen, aber das Rezept für Creamy Beans musste ausprobiert werden. Dazu werden jeweils eine Zwiebel, eine Stange Sellerie, und eine Möhre fein gewürfelt und mit 4 gehackten Zweigen Rosmarin angeschwitzt. Dann kommen ca. 400g dicke Bohnen und eine Dose Mais dazu, ein Glas Hühnerbrühe und ein Becher Sahne werden darin auf Superschlotzig eingekocht und mit Pfeffer und Salz gewürzt. Im Original macht Jamie einen Rehrücken dazu – bei uns gab´s zwei Hüftsteaks vom Maurener Angus-Rind – garniert mit angebratenen Speckwürfeln:

Zum Nachtisch kam dann die Zeit des Pfirsich-State, wie Georgia auch genannt wird. Passende Törtchen wurden ja schon am Vortag gebacken, zum Menü sollte es dann zusätzlich noch ein Pfirsich-Eis geben. Leider habe ich (noch) keine Eismaschine mit Kompressor. Und blöderweise fiel es mir erst recht spät ein, dass der Kühlblock der Eismaschine nicht in der Kühltruhe liegt, weil da letzte Woche vier Kalbsfüße eingezogen sind. Wenn also so ein Eismaschinenhersteller sagt, der Kühlblock sollte mindestens 18 Stunden kalt stehen – dann meinen die das auch so. Nein, 12 Stunden reichen da nicht. Und so kommt es, dass die Eiscreme zum Menü eben so aussieht:

Ist jetzt nicht sooooo schlimm, schmecken tut´s ja trotzdem und eine Sauce zu den Törtchen ist ja auch was Tolles. Einen Tag später war sie dann durchgefroren und hat auch als richtiges Eis super geschmeckt ;-) Für mich war das ein sehr gelungenes Menü und ein wirklich schöner Abend.

Mehr Fotos wie immer im Flickr-Album.

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Heiligabend im Hause Hansen

Weihnachten könnte eigentlich öfter sein. Jetzt nicht mal nur wegen der Geschenke, eigentlich viel mehr wegen dem Essen. Kochen kann man natürlich das ganze Jahr, aber an Weihnachten kann man so schön übertreiben – der Rotkohl wird selbst gekocht, die Mutter wird zum Rinderfilet kaufen geschickt, hinterher geht noch ein Schokoladensoufflé und alleine die Auswahl und Vorbereitung der Amuse Bouche streckt sich über mehrere Tage.

Damit ihr alle nochmal teilhaben könnt an diesem wundervollen Abend, stelle ich die vier Gänge gerne kurz vor. Wie ihr ja schon wisst, als Opener gab es dieses Jahr Kartoffelsalat mit Würstchen, dazu Apfelkaviar. Wie witzig, dass Mutter Hansen kürzlich ein paar Degustationslöffel gekauft hat. Hier sieht man, dass guter Geschmack vererbt wird. Als Aperitif wurde dazu ein Glas Pasecco mit Weinbergspfirsich-Schüsschen gereicht.

Für die Vorspeise habe ich mich erst in letzter Sekunde entscheiden können – da gab es Birnentartlets mit Roquefort. Die Birnen-/Blauschimmelkäse-Kombination hat es mir spätestens seit Lisas Ravioli angetan, bei dieser gelungenen Vorspeise kam aber auch noch die perfekte Soße dazu. Fein gewürfelter Inger, in Walnussöl angeschwitzt, mit Balsamico abgelöscht und zusammen mit Ahornsirup und angerösteten Walnüssen einkochen gelassen. Konnte ich mir zunächst nichts drunter vorstellen, aber es war der Wahnsinn! Auf dem Blätterteigbett räkelten sich dann neben Birne, Roquefort Papillon und der Soße noch ein paar Streifen Radicchio.

Ein weiteres echtes Traditionsessen zu Weihnachten ist der Rotkohl. Deswegen war der am Mittwoch auf dem Markt auch schon ausverkauft. Glücklicherweise gab´s im Hofladen in Mauren noch ein echtes Prachtexemplar, das dann nach dem Rezept aus der aktuellen Beef (PDF) gekocht wurde. Das Rezept hat mich beim ersten Durchlesen gepackt und ich hab mir auch nicht zuviel davon versprochen. Feigen, Cranberries, Walnüsse – dazu noch ordentlich Balsamico und obendrauf Lebkuchengewürz. Leider habe ich es nicht geschafft, den Rotkohl am Vortag zuzubereiten, was jetzt nicht schlimm war, denn es gab ja auch am Tag darauf noch was ;-) Wer das Rezept nachkochen will und wie ich keine frischen Feigen bekommt – getrocknete Feigen in eine kleinen Topf geben, in den sie gradeso reinpassen, mit einem halbtrockenen (oder feinherb, wie man heute sagt) Weißwein auffüllen und weich kochen. Das Fruchtfleisch lässt sich dann gut rauslöffeln und der Sud macht sich ebenfalls gut im Rotkohl.

An der Beilage zum Rotkohl habe ich recht lange überlegt – sollte ich mich erstmals an einen Rinderbraten trauen. Oder doch Filetsteaks. Rinderfilet im Speckmantel? Eigentlich finde ich es schade, wie inflationär Rinderfilets verbraten werden und ein Vorsatz für 2011 wird der komplette Filet-Verzicht werden, dennoch hat Mutter Hansen ein schönes Stück ergattern können, wir haben es familiär durch 5 geteilt, in leckeren Schinkenspeck gehüllt und für die Männer Medium-Rare und für die Mädels À point zubereitet. Hat gut funktioniert *schulterklopf*. Neben einer Orangenscheibe und einem Rosmarinzweig, der eigentlich mit Cranberry-Kaviar (diesmal nur Deko) geschmückt einen Weihnachtsbaum darstellen sollte zu dem es aber nicht mehr gereicht hat, wurde auf weitere Beilagen verzichtet, damit auch der Nachtisch noch Platz findet.

Zum Finale gab´s dann Schokoladen-Soufflés, die zwar wieder nicht so richtig hochgegangen sind, dafür aber in der Konsistenz so wie gewünscht waren. Vielleicht hätten zwei bis drei Minuten noch gut getan, vielleicht aber auch nicht. Immerhin sind sie nicht zusammengefallen. Da so ein kleines Schokotörtchen für sich immer ein bisschen einsam aussieht, haben sich noch jeweils zwei Magnumkugeln Bananeneis dazu gesellt. Eine besonders cremige Variante aus dem Hause Kochtopf. Ursprünglich mal ausgewählt wegen dem konsequenten Verzicht auf Eier, aber das Eis hat Geschmacklich so überzeugt, dass es sich seinen Platz auf dem Weihnachtsmenünachtischteller verdient hat.

Nach dem dann alle Teller leer geschleckt wurden gab´s noch Geschenke von unser Omma und ab da weiß ich nur noch, wie ich glücklich ins Bett gefallen und vom Weihnachtsmenü 2011 geträumt habe.

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