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Mach doch mal… (Pistazien-Safran-Eis)

Alex, mach doch mal…

…was Süßes!
…Radicchio-Eis!
…Pistazien-Safran-Eis!
…ein Oster-Menü!
…ne Kräuterschnecke!

Kinder, was denn noch alles? Eine Sache, die ich an guten Freunden besonders schätze, ist Timing und die Fähigkeit, einem eine gute Idee ins Hirn zu pflanzen. Während ich mich mit meinen Rezeptideen grade in einer Sinnkrise befand, mir ein Ostermenü zusammentagträumte und verdammt nochmal nix zum Thema Dessert aufflammen wollte, kam eine gute Fee in einem Kochtopf um die Ecke:

Ich sah es förmlich vor mir: Geckogrünes Eis mit tiefroten Fäden. Dazu Orangenhippen und Macarons, kandierte Rosenblätter… Ein Traum aus Tausendundeinernacht. Die Rosenblätter hab ich dann weggelassen und den ganzen Rest des Ostermenüs auch. Wer kocht schon gerne, wenn er auch Steine aus Granit durch den Garten schleppen kann – aber zum Projekt Kräuterschnecke und Hochbeet bei Gelegenheit mehr. Erstmal einen bezaubernden Blick auf einen bezaubernden Teller:

Immer wieder hört man von Diskussionen, ob jetzt Safran nach was schmeckt, oder nur färben kann wie der Teufel. Und was für den Kuchen gilt, gilt umso mehr für´s Eis: Geel. Siehe Oben. Dagegen kommt keine Pistazie an – Versuche mit Lebensmittelfarbe wurden aus ethischen Gründen unterlassen. Im Grunde ist so eine Eismasse ja kein Hexenwerk. Man nehme 750ml Flüssigkeit, die nach Lust, Laune und Vorratshaltung aus Milch und Sahne besteht. Dazu kommen 100g Zucker und die Aromaten: Fein gehackte Pistazien (90g) und 1/2 TL Safranfäden. Einmal aufgekocht, Deckel drauf und 4 Stunden ziehen lassen. Das wird dann durch ein Sieb gegeben und die Safranfäden für Später mühsam zwischen den Nüssen rauspiedeln und in Sicherheit bringen (wertvoll wie sie sind). 5 Eigelb schaumig aufschlagen, aufgewärmte Milch-Mischung dazugeben und alles in einem Topf zur Rose abziehen, abkühlen und nach Bedienungsanleitung gefrieren. Die Tränen, die den Verlust der grünen Farbe bezeugen trocknet ein erster Probierlöffel der Eismasse, der ein wenig Ruhe nun gut tut.

Jetzt ist so ein Eis ja lecker, aber es muss auch irgendwo rein. Da böte sich eine Hippe an. Wie schön, dass man Eiweiß übrig hat, denn man braucht jeweils zu gleichen Teilen: Mehl, Puderzucker, weiche Butter und Eiweiß. Dazu Orangenschale – etwa ein TL Abrieb pro 100g Masse. Die genauen Mengen richten sich nach dem übrigen Eiweiß. Alle Zutaten werden schnell verrührt und abgedeckt eine Stunde kalt gestellt. Dann dünn auf ein mit Backpapier belegtes Blech gestrichen und im auf 190 Grad vorgeheizten Ofen gebacken, bis sich ein dunkler Rand gebildet hat. Jetzt lassen die dünnen Hippen sich noch gut verarbeiten, z.B. über den Rücken einer Tasse stülpen, oder aufrollen. Beim Aufstreichen auf´s Backpapier muss man sich nicht allzu große Mühe bei der Gleichmäßigkeit geben, im Ofen verläuft sich das noch ein wenig. Hitzeunempfindliche Hände sind für die Verarbeitung (zumindest beim Aufrollen) eindeutig von Vorteil.

Zur Erreichung der vollständigen Ei-Neutralität (Eiweiß und -Gelb wurden vollständig aufgebraucht): Macarons. Alter Hut. Steht bei der Simone schon alles was man drüber wissen muss. Das mit dem Mandeln pulverisieren ist echt wichtig! Ich mach das in so nem Blitzhacker der beim Pürierstab dabei war. Während die Messer durch die Lüfte fetzen schüttel ich das Teil unaufhörlich, bis die Kraft in den Oberarmen nachlässt. Und dann unbedingt sieben. Ab da läuft´s wie von alleine. Statt Kakaopulver wie bei Simone, gibt´s Szechuan-Pfeffer (1 TL, mit-blitzhacken) und für die Füllung hatte ich Zweierlei vorgesehen: Eine Ganache (100g weiße Schokolade mit 50ml heißer Sahne übergießen, Orangenabrieb und Lebensmittelfarbe (sic!) dazu.) und Buttercreme (100g Butter, 50g Puderzucker, Orangenabrieb, keine Farbe (puh!) – beides wird vor´m Verfüllen schaumig aufgeschlagen.

Man sollte das auf keinen Fall machen, wenn man plant in den nächsten Stunden noch zu schlafen. Die Unmengen an Zucker, die für sofortige Energiebereitstellung sorgen, werden einem da einen Strich durch die Rechnung machen…

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Kürbiseis

Alles so orange auf einmal. Kürbisse wohin man sieht, in Farben wie alte Telefone. Unser altes Telefon: Quietschorange, Wählscheibe, 20 Meter Schnur. Ich glaube dieses Gerät hat seinen Dienst vor meiner Geburt aufgenommen, mindestens bis zum Ende der Schulzeit verrichtet und dient heute noch irgendwo als staubfangendes Deko-Objekt im angesagten Stil der Siebziger. Zwischenzeitlich bekam es Konkurrenz von einem Tastentelefon – mit Impulswahlverfahren. Darunter stellt man sich heute ja höchstens noch schüchterne Teenies vor, die, vom Impuls gepackt, den grade angesagten Schwarm anrufen und blitzschnell auflegen, sobald sich auf der Gegenseite jemand meldet. Dann kam ISDN. Telefone im ganzen Haus – eigene Nummer (und eigene Rechnung…). Schnurlostelefone, danach Handys und Internet… Dabei ist viel Motorik auf der Strecke geblieben, denn wer kann heute noch telefonierend Hörer und Gerät, das mit 20 Meter Leitung in der Wand steckt zum Plattenspieler laufen und die Scheibe wenden, ohne dass das Gespräch abbricht. Empfang gab es keinen, dafür Telefonzellen, aber was das war erzähle ich, wenn´s mal wieder was Gelbes zum Essen gibt.

Heute gibt´s hier Kürbiseis – in Variationen sozusagen. Denn Kürbis-Suppe und Gnocchi kann ja jeder ;-) Vom Süßkartoffeleis in The Perfect Scoop inspiriert ging ich für den Bloggeburtstag ans Werk:

: Kürbiseis

  • 400g Kürbis – ich habe Hokkaido verwendet
  • 400ml Milch
  • 100g Zucker
  • 2 Eigelb
  • 100g Sahne
  • 1 TL Piment
  • 1/4 Tonkabohne

  1. Den Kürbis entkernen, schälen und groß würfeln. Auf ein Blech geben und im Ofen bei 100 Grad in 60 Minuten garen. Ausdampfen lassen.
  2. Kürbisfleisch mit der Milch in einen Mixer geben und auf niedriger Stufe laufen lassen.
  3. Sahne und Zucker in einem Topf erwärmen.
  4. Die beiden Eigelb aufschlagen, die Sahne langsam zu den Eigelb schütten und langsam weiterrühren.
  5. Die Masse wieder zurück in den Topf geben und zu einer dicklichen Creme aufschlagen.
  6. Die Creme in den immernoch laufenden Mixer geben, Piment dazugeben und die Tonkabohne dazuraspeln.
  7. Die Eismasse durchkühlen lassen und in der Eismaschine gefrieren.

Portionen: 6

Durch die geringe Menge der Ei-Masse wird das sehr schnell eine ordentliche Creme und umso schneller Rührei, da muss man dann schon aufpassen. Beim ersten Versuch habe ich die Kürbis-Milch durch ein feines Sieb passiert – im Mixer kriegt die Masse allerdings die gleiche ordentliche Konsistenz und spart so natürlich noch ein bisschen Arbeit. Pecan-Nüsse passen sehr schön zu diesem Eis. Entweder man rührt sie gleich unters Eis – oder man macht eine Karamellsauce dazu. Für die erste Variante hackt man die angerösteten Nüsse klein und kocht sie mit Ahornsirup in einer Pfanne, reduziert das ein und kriegt köstliche karamelisierte Pecans.

Ein richtiger Knaller wird der Spaß mit der Pecan-Praline Sauce von Hr. Lebovitz – sofern man auf die Hälfte des Zuckers verzichtet. Salzkaramell, Pecan-Nüsse, Whiskey, ich bin vor lauter abschmecken und probieren nicht mehr fertig geworden:

 

: Pecan-Praline Sauce

  • 60g Butter
  • 75g Zucker (Rohrohrzucker)
  • 2 EL Ahornsirup
  • 125ml Wasser
  • 60ml Sahne
  • 125g Pecan-Nüsse, geröstet und grob gehackt
  • Grobes Meersalz
  • 45ml Whiskey
  • 1/4 Tonkabohne

  1. Die Butter schmelzen, Zucker und Ahornsirup dazugeben und den Zucker unter gelegentlichem Rühren auflösen.
  2. Vorsichtig das Wasser angießen. Der Zucker wird möglicherweise wieder fest. Einfach weiterrühren, bis sich der Zucker wieder vollständig aufgelöst hat und dann die Sahne, Nüsse, Salz und Whiskey einrühren und die Tonkabohne reinraspeln.
  3. Auf die gewünschte Konsistenz einkochen und warm servieren.

Auch wenn Ingwer zum Kürbis äußerst inflationär verwendet wird – ich komm nicht drum herum. Ich hab grade eh so ne Ingwerphase, sei es in der Kürbissuppe oder als Ingwer-Pannacotta zum Kürbisseis dazu. Bei Pannacotta halte ich mich an Tim Mälzer, d.h. halb Milch, halb Sahne. Die komplette Milch mit der Hälfte der Sahne und dem Aroma (hier Ingwer) und Zucker aufkochen. Ein Blatt Gelatine pro 200ml darin auflösen und wenn die Masse angezogen hat die restliche Sahne geschlagen unterheben. Wichtig ist jetzt das ganze ordentlich durchkühlen zu lassen. Ingwer-Aroma und ein wenig Schärfe im Nachtisch haben noch niemandem geschadet :-)

Mit dem Essen spielt man nicht, stimmt nicht:

Genießt die Woche, noch sieben Tage, dann ist um 5 schon dunkel…

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Nachschlag im Eis-Battle – Avocado und Ziegenkäse

Zurück in die Zukunft war so ein Film, der dem kleinen Chef Hansen aus zwei Gründen ganz fest in Erinnerung geblieben ist. Neben Flux-Kompensator, Huey Lewis (fand ich als Kind schon cool) und dem Flügeltürer aus Edelstahl waren das die viereckigen Augen, die ich nach dem spannenden Finale hatte und der Cliff-Hanger, mit dem der erste Teil endete und mich entsetzt in mein Zimmer flüchten ließ um umgehend mit den Arbeiten an der Fortsetzung zu beginnen. Weit bin ich natürlich nicht gekommen, aber mich hatte auch niemand herausgefordert!

Marty McFly ließ sich besonders leicht provozieren, in dem man ihn eine Feige Sau nannte. Mich muss man nur einfach so herausfordern – was ganz gut funktioniert ist: Versuch doch mal… oder auch sehr beliebt: Das kriegst du doch so eh nicht hin! Ok, hinterhältig war die Herausforderung dieses Mal nicht, als die gute Maja sich fragte, ob wohl Simone oder ich als nächstes mit Avocado- oder Ziegenkäse im Eis-Battle um die Ecke kommt. Simone hatte nämlich mit ihrem (oder besser gesagt Lebovitz’) Olivenöl-Zitroneneis ganz schön vorgelegt. Aber was sollte das oder – ich hab zwei Kühlakkus Schätzeleins!

Die liebe Jutta war so gut, mir auf dem Heimweg noch schnell mit dem Ziegenkäse-Rezept auszuhelfen und so konnte ich zuhause gleich loslegen. Die beiden Sorten sind überraschend einfach herzustellen und wenn man unbedingt zwei an einem Tag machen will – dann diese beiden!

So treffsicher der Hr. Lebovitz sonst mit seinen Rezepten ist, so daneben ist das Avocado-Eis. Dachte ich. Die Masse war so dick, dass ich die Sahnemenge verdoppeln musste. Eine zu feste Masse führt natürlich zwangsläufig dazu, dass das Eis nicht so schön im Mund schmilzt und das typische Mundgefühl und damit die größte Freude am Eisgenuss fehlt. Soweit so tragisch, wäre da nicht noch die Empfehlung für Avocado Licuado con Leche. Hier werden einfach pro Portion zwei Kugeln Eis mit 125ml Milch, 2 EL Zucker und dem Saft einer halben Limette aufgemixt und mit Schirmchen serviert. Und das wiederum ist soooo lecker, dass man das leere Glas von innen sauber lecker möchte. Ich war überrascht wie fruchtig Avcado schmecken kann.


: Avocado-Eis

  1. 3 mittelgroße, reife Avocados (ca. 675 g)
  2. 150 g Zucker
  3. 240 g Sauerrahm
  4. 125 ml Sahne
  5. Saft einer halben Limette
  6. Prise Salz

  1. Die Avocado schälen, den Kern entfernen und das Fruchtfleisch grob zerstückeln.
  2. Alle Zutaten im Mixer zu einer feinen Masse mixen.
  3. Bei mir wurde die Masse extrem dick. Beim nächsten Versuch würde ich so lange Sahne dazu geben, bis mir die Konsistenz passt und nur evtl. Sauerrahm dazugeben, falls die Avocados sehr reif sind.
  4. Die Masse sofort in der Eismaschine frieren.

Eine wahre Offenbarung hingegen: das Ziegenkäse-Eis. Leichter Geschmack nach Käsekuchen – im Besten Sinne. Bei Ben & Jerrys machen sie ja auch irgendwas mit Käsekuchen. Aber die packen auch rohen Keksteig in ihr Eis – der erste Löffel davon schmeckt rattenscharf. Der Zweite ist Ok. Dann geht´s rapide bergab. Irgendwas in dem Eis, vermutlich Zucker, verführt dazu, den ganzen Becher leer zu essen. Bis einem schlecht wird. Ich bin gegen Teig im Eis. Höchstens Brownies lass ich mir gefallen. Der Ziegenkäse hier ist aber genau die richtige Portion Käsekuchen, definitiv empfehlenswert und kommt auf die Karte meiner Eisdiele, die ich eines Tages (wahrscheinlich eher nicht) eröffne.

Auch das Eiswaffel-Eisen Eis-Waffeleisen Eiswaffeleisen wollte mal wieder in Gebrauch genommen werden. Das genaue Rezept habe ich schonmal gepostet, aber man kann ja als Foodie nie zweimal genau das Gleiche machen. Deswegen erhielt die verbesserte Version meiner Eiswaffeln nun eine Messerspitze Zimt und Kardamom, was, ich muss das so sagen, traumhaft mit dem Ziegenkäse-Eis harmoniert hat.


: Ziegenkäse-Eis

  1. 375 ml Vollmilch
  2. 130 g Zucker
  3. 230 g Ziegenfrischkäse
  4. 6 Eigelb (Größe L)

  1. Milch und Zucker verrühren und in einem Topf erwärmen.
  2. Während dessen Ziegenkäse in eine Schüssel bröseln.
  3. Eigelb schaumig aufschlagen.
  4. Milch langsam zu den Eigelb geben. Und alles zusammen wieder in den Topf.
  5. Die Masse auf 78 Grad erwärmen und dabei mit einem Teigschaber ständig über den Topfboden streichen.
  6. Masse über den Ziegenkäse geben und rühren, bis sich der Käse vollständig aufgelöst hat.
  7. Im Eisbad kalt schlagen, vollständig durchkühlen lassen und in der Eismaschine gefrieren

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Groovy Food

So, das ist erstmal der letzte Beitrag mit Groove im Titel. Dafür gibt´s jetzt eine eigene Rubrik: Groovy Food. Essen, das auf der Speisekarte stünde, hätte ich ein eigenes Restaurant. Und Schuld ist der Herr Paulsen. Sein Bericht vom Besuch im Redhot, München reanimierte meine eingeschlafene Leidenschaft für ordentlichen Funk, ließ mich endlich die 3-2-1 Ribs machen und überhaupt höre ich seit dem beim Kochen am Liebsten Aaron Neville, Eddie Bo oder Lee Dorsey.

Zu diesem Eis, Brown Butter Ice Cream animierte mich die liebe Simone, die vom Rezept bei Chez Pim sehr angetan, vom Selbstversuch aber eher enttäuscht war. Die Idee Butter zu bräunen und daraus ein Eis zu machen gefällt mir gut. Deswegen habe ich mir ein Päckchen meiner liebsten Süßrahmbutter geschnappt, es in einen Topf geworfen und zugeschaut, wie es Farbe annahm. Das dauerte allerdings so lange, dass ich zwischendurch die neuesten Meldungen auf Facebook checken musste und mir dort leider niemand erklärte, dass Butter nicht langsam bräunt, sondern plötzlich anbrennt. Aber das war gut so…

Schnell 6 Eigelb mit 55g Zucker in den Mixer und schaumig schlagen, die Butter im Topf mit dem Pürierstab aufbessern und durch ein Teesieb zu den Eiern geben. Weitermixen. Topf auswischen, 350ml Milch und weitere 55g Zucker kurz aufkochen und ebenfalls mit einem TL Salz in den Mixer geben bis eine homogene Masse entstanden ist. 350ml Sahne in eine Schüssel geben, den Inhalt aus dem Mixer dazuschütten, durchkühlen und nach Anleitung des Eismaschinenherstellers frieren. Soweit so gut. Schmeckt ein bisschen wie Werthers Echte. Aber nur ein bisschen. Und wer Salzkaramell-Eis haben will, der macht lieber Salzkaramell-Eis. Einen Tag später hat das Braune-Butter-Eis aber doch irgendwie geschmeckt. Mir ist noch keine ordentliche Beilage dafür eingefallen, ich könnte mir aber vorstellen, dass da noch was geht…

Hin und weg bin ich von Bacon Jam. Für mich Die Entdeckung beim Speck-Event. Jede Menge Speck, Knoblauch, Zwiebeln, Zucker und eine große Tasse Kaffee, Apfelessig, Ahornsirup, Balsamico und Chili geben einen Brotaufstrich, von dem ich nicht mehr genug kriegen kann. Energiebilanz außen vor gelassen möchte ich mich tatsächlich vorerst von nichts anderem ernähren als von Schinkenmarmelade auf rustikalem Brot.

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Don´t stop the Groove

Grade vier Wochen ist es her, dass wir ein wahnsinnig grooviges Wochenende erleben durften (Das Who is Who der versammelten Foodbloggerwelt berichtete). Am Liebsten möchte man die Erinnerung an das Erlebte schön rahmen und an einem besonderen Platz im Herzen aufhängen.

Oder man legt nochmal ne Schippe drauf – das Rezept dazu ist sehr einfach, man nehme:

  1. Termin zur Abholung der Kuchen-Transportbox vereinbaren.
  2. Gemeinsam überlegen, ob man das nicht gleich mit lecker Essen kombinieren soll.
  3. Feststellen, dass man ja auch selbst gut kochen kann.
  4. Zusammen kochen
  5. Für mein “Ran an den Speck” Event
  6. Aus dem Elverfeld

Daraus wird nicht weniger als ein Sonntag-Nachmittag mit tollen Menschen, tollem Essen und tollem Wein – Ostern, Weihnachten und Geburtstag an einem Tag. Auf der Speisekarte stand:

Jungschweinebauch mit Entenleber, Zwetschgenmus & Kaiserschmarrn.

Der Wahnsinn nahm schon sechs Tage im Voraus seinen Lauf. Der Schweinebauch wollte gegrillt, vakuumiert und 14 Stunden bei 68 Grad gebadet werden. Männersache. Da das Gericht nicht im Rahmen eines vielgängigen Menüs präsentiert werden sollte, war ich so großzügig die Fleischmenge zu verdoppeln und bat in der Metzgerei der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall um 700 Gramm Bauch vom Mohrenköpfle und habe genau das bekommen, auf´s Gramm. Die lieben Lebensmittel!

Frisch von der Schwarte getrennt, mit Meersalz und weißem Pfeffer ging der Wahnsinn auf dem Grill weiter. Eine echt abenteuerliche Sache so viel Fett über glühenden Kohlen zu balancieren. Zwei Blöcke Buchenholz sorgten für ordentliches Raucharoma, das dann zusammen mit etwas Olivenöl und dem Fleisch in meinem letzen Vakuumbeutel versiegelt wurde.

Es folgten fünf schlaflose Nächte, begleitet von einer ausgewachsenen Sommergrippe und der Sorge, was wohl mit dem Rauch- und Grillaroma passiert. Bekommen wir Fleisch, das nur noch nach verbranntem Holz und Grill schmeckt? Schweinefleisch mit Raucharoma? Am Ende war es der zweitbeste Schweinebauch meines Lebens. Platz eins ist leider schon auf alle Zeit vergeben – der brutzelte im Schwarzwald zwischen zwei glühenden Holzstämmen, morgens um sechs, nach einer der legendären Adler-Parties…

Wahnsinnig lustig fanden wir die Schwartenchips – übrigens bei Atkins-Jüngern ein sehr beliebter Fernseh-Snack und garantiert Kohlenhydratefrei ;) Um diese Chips herzustellen, wird die Schwarte zunächst für zwei Stunden beim 100 Grad im Konvektomaten gedämpft. Meine Näherung an einen Konvektomaten bestand aus einem Dampfdrucktopf, in dem die Schwarte, mit Traubenkernöl massiert, drucklos aufquoll. Nach meinen Physikkenntnissen müssten in einem solchen Topf, ohne Druck, ungefähr 100 Grad herrschen – aber ich lass mich da gerne nochmal aufklären! Da ich auch keinen Dehydrator mein Eigen nenne, der Backofen aber ein Dörr-Programm hat, wurde die Schwarte, mittlerweile in dünne Streifen geschnitten, dort getrocknet und mussten bei Astrid nur noch im Wok frittiert werden. Mit Salz, weißem Pfeffer, Koriandersaat und Chili wurde daraus der crunchige Teil unseres Tellers.

Das Kochen in einer fremden Küche habe ich unterschätzt. Nicht, dass ich Stress mit Karamell kochen hätte, aber da geht ja auch schon mal was daneben. Oder flambieren. Hab ich zwar noch nie gemacht, aber wenn ich eine Küche abfackle, dann doch wenigstens nicht meine eigene. Aber ich hatte Astrid an meiner Seite, die meine zitternde Hand tätschelte während sie mit dem Brenner in der anderen Hand das Zwetschenwasser in Brand steckte. Alles halb so schlimm – mach ich jetzt öfter.

Das Zwetschgenmus war ohnehin so ne Aromenexplosion. Eigentlich bin ich kein großer Freund von zu vielen Zutaten, aber hier fügten sich Zwetschgen, Vanille, Zimt, Lorbeer, Sternanis, Portwein, Rotwein, Zwetschgenwasser, alter Balsamico, ein Schlückchen Fleischsaft aus dem Vakuumbeutel, Maldon-Salz und eine eigens zusammengestellte und geröstete Pfeffermischung zu einem runden Mus zusammen. Klopf ich uns mal frech selbst auf die Schulter für ;-)

Und sowieso: Die Frau kann ja kochen… Eine Freude da mitmachen zu dürfen. Wie selbstverständlich wird da der Kaiserschmarrn (Eugen, zieh dich warm an) gerührt, gebacken und karamelisiert, die Entenleber mehliert und angebraten, nebenbei köstlichster Wein serviert, auf den Stuhl und in den riesigen Einbauschrank geklettert, der Mitkocher mit lebenswichtigen Utensilien versorgt (Teigschaber hier, Sieb da, ein Schüsselchen und noch ein Schüsselchen), großzügig über Albernheiten hinweg sehen (Pürierstab ohne Messer verwenden sorgt höchstens für Wirbel) und dann letztlich und endlich einen Schritt zurück getreten und den Gastkoch anrichten gelassen. Große Geste, große Ehre :)

Wir haben gelacht, gekocht, gegessen, getrunken, genossen – über Stunden ging uns der Gesprächsstoff nicht aus, aber plötzlich war es still. Anrichten war angesagt. Wie uns der P.hotograf später versicherte, muss es wohl ein beeindruckender Moment gewesen sein. Fand ich auch. Stundenlange Bemühungen kulminieren in wenigen Sekunden auf einem Teller. Das Aqua hat dafür 14 oder so Köche, aber zu zweit macht das viel mehr Spaß:

Und als wär das Alles nicht schon Ehre genug, durfte ich auch noch mit Astrid zusammen die neue Eismaschine in Gebrauch nehmen. Dazu hatten wir uns im Vorfeld gemeinsam das Lavendel-Honig-Eis von David Lebovitz ausgesucht, das Astrid hervorragend mit feinem Lavendel-Honig vorbereitete und die gute Eismaschine daraus einen cremigen Traum bereitete. Dazu gab’s von mir noch in Pernod gebackene Feigen, ebenfalls mit etwas Honig. Die perfekte Beilage für das Eis, schön heiß mit leichtem Karamell-Cross… Wenn´s denn so gewesen wäre ;) Aber ganz ohne Pannen läuft´s bei mir garnix…

Immer wieder denke ich gerne an diesen Sonntag zurück – schon allein wegen den 746 Bildern, aus denen ich diese Auswahl getroffen habe. Definitiv mein schönstes Kocherlebnis. Ich schließe jetzt kurz die Augen, mache gedanklich einen Rahmen um diesen Artikel und hänge ihn mir an einem besonderen Ort auf. Astrid, vielen Dank, dass du das möglich gemacht hast. Lieben Dank auch dem Kamerakind P. und last but not least: Danke Frau Hansen für die Geduld :)

Und natürlich nehmen wir ganz offiziell teil:

Blog-Event LXX - Ran an den Speck (Einsendeschluss 15. August 2011)

Und bitte lest hier weiter: Kunst Buch Essen Kochen

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