Tags Archiv für 'Apfel'

The Golden October

Um den Oktober herum malt die Sonne uns ein Licht ins Wohnzimmer, in das ich mich am liebsten hineinlegen und einwickeln möchte. Jetzt gilt es die Anblicke des Herbstlaubes und von Nebelfeldern unter blauem Himmel einzufangen und festzuhalten. Der Herbst heimelt sich ins Gemüt und stimmt auf lange Abende ein. Endlich wieder Kuschelpullizeit. Ja, Männer haben sowas auch. Am Markt wieder mehr Äpfel, Kürbisse für alle Lebenslagen, Zwetschgen, Mirabellen, Feigen. Es ist insgesamt sehr bunt. Endlich ist der Sommer rum, der war ja auch echt schrecklich. Nur Regen und nie so heiß wie ein Sommer sein sollte ;-) Der Herbst muss das jetzt wieder rausreißen. Überhaupt zieht´s einen wieder eher in die Küche, als auf die Terasse. Kochbuchneuerscheinungen fesseln an den Herd und beflügeln die Phantasie. Teller wird Leinwand und Braun, Orange, Rot sowie Reste von Grün bestimmen die Farbpalette.

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Ein guter Burger ist mehr als nur sein Brötchen und eine Rinds-Frikadelle mit mehr als 20 Prozent Fettanteil. Ein guter Burger erzählt eine Geschichte. The Golden October erzählt vom Herbst. Deshalb sind die Kürbis-Vollkorn-Buns auch nicht Orange, sondern Golden. Eine einfache Abwandlung der Brioche Burger Buns, in der die Milch durch pürierten Kürbis und ein Großteil des Mehls durch Vollkornmehl ersetzt wurde. Dazu Kümmel- und Fenchelsaat im Teig. Statt Sesam bestreue ich das Brötchen mit Weizenkleie1, die ich vorher aus dem Vollkornmehl gesiebt habe. Eine Idee aus Michael Pollans Cooked, das sowieso gelesen gehört. Das Patty besteht aus Schweineschulter, die eigentlich zum Pulled Pork gesmoked werden sollte, dem aber jetzt der Herbst in die Quere kam, weil der Sommer mir die Geduld fehlte den Grill einen gesamten Tag lang zu beaufsichtigen – und in den Ofen schieben kann ja jeder…

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Statt Ketchup ein paar Scheiben gebratene Blutwurst und eine Scheibe karamelisierten Apfels. Für mich der geschmackliche Inbegriff von Herbst. Gurken, die schon eine Weile mit Apfelessig, Ingwer und Estragon eingemacht im Keller stehen verstehen sich von selbst, aber wie bringe ich die Pilze im Burger unter. Herbst ohne Pilze? Pfff. Steinpilz-Mayo! Für die ich 5g getrocknete Steinpilze eingeweicht und dann im Einweichwasser püriert habe. Diese Masse unter normale Mayo heben und nochmal mit schwarzem Pfeffer abschmecken.

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  1. Fun-Fact für Low-Carber: In der Kleie sind bis zu 20% Eiweiß enthalten. Da wollen wir doch eigentlich nicht drauf verzichten, oder?
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9 Sterne für Zorra und Apfel-Kürbis-Kuchen

Boah, ich und Geburtstage… So´n Jahr ist ja heutzutage schnell vorbei. Und erst ein Tag! Und meistens, wenn man an diesem schnell vorbeigeheneden Tag Geburtstag hat, dann wird man von mir vergessen. Das hat, ich schwör, nichts damit zu tun, dass ich denjenigen nicht mehr lieb habe! Wenn ich jetzt allerdings tatsächlich mal an einen Geburtstage denke UND mich dann noch melde. Dann muss es sich um jemand besonderes handeln. Und heute schreibe ich sogar einen eigenen Geburtstags-Beitrag. Wie besonders ist das ;-)

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Wir feiern dieser Tage Zorra, und wie sie es seit 9 Jahren schafft die Welt der deutschsprachigen Foodblogs zu bereichern, zusammenzuhalten und den kleinen Neuankömmlingen und Jungbloggern auf ihrem Kochtopf eine große Bühne zu bieten. Zorra zeigt uns Monat für Monat, dass es beim Bloggen nicht darum geht, die meisten Leser, Links oder Kommentare zu haben, sondern dass es alleine zählt eine große Gemeinschaft zu pflegen um das Thema Genuss, Kochen und Lebensmittel im Internet stark zu vertreten. Und das ohne jemals ein böses Wort über irgendwas oder irgendjemanden zu verlieren. Dafür unterbreche ich meine neuerliche Blog-Lethargie und rolle ihr den Teppich Mürbeteig aus und belege ihn mit den ersten Herbstboten: Kürbis und neuen Äpfeln.

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Den Mürbeteig habe ich mir aus Österreich Vegetarisch geliehen, da ich ihn für die ideale Bühne für süße Kürbis-Creme und frische Äpfel halte, verzichtet er doch im Original ganz auf Zucker. Für den Teig werden 250g glattes Mehl, eine Prise Backpulver, 1/2 EL feine Meersalzflocken, 125g kalte Butter in kleinen Stücken und ein Ei rasch verknetet. Sollte der Teig zu trocken sein, noch 2-3 EL Leitungswasser zu Rate ziehen. Da ich es doch nicht ganz lassen konnte, habe ich noch 2 EL Zucker zum Teig gegeben, ihn zu einer Kugel geformt und eine Weile im Kühlschrank ruhen gelassen. Nun wird ein halber Kürbis in handhabbare Würfel geteilt, in einem Topf knapp mit Milch bedeckt und langsam weich gekocht. Den weichen Kürbis pürieren wir in der Milch mit 50g Zucker und lassen die Masse etwas abkühlen. Nun den Teig großzügig ausrollen und die Lieblings-Backform damit auskleiden, den überstehenden Rand abschneiden und die Reste zum Ausstechen der Sterne aufheben. Ich bin ja Blindbäcker und gebe den Boden dazu für 10 Minuten in den auf 200 Grad vorgeheizten Ofen. Währenddessen in die abgekühlte Masse 3 Eier rühren, 5 junge Äpfel in mundgerechte Stücke schneiden und mit der Kürbis-Creme auf dem Mürbeteig-Boden verteilen. 9 Sterne aus den Teigresten ausstechen, auf dem Kuchen verteilen und in ca. 40 Minuten bei 180 Grad fertig backen.

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Herbstnudeln

Es ist Herbst, der Wind weht vom Baum, was im Frühjahr bei drei darauf gehüpft war. Wobei an dieser Stelle festgehalten werden muss, dass sich mitten ins idyllisch-bunte-der-Wind-weht-leise-die-Blätter-von-den-Ästen sogenannter Schneebruch eingeschlichen hat. Gut, grade im Moment sieht man nichts mehr davon, aber grade deshalb war es so wichtig, dass wir nochmal darüber sprachen. Sonst so: Winterreifen aufgezogen, Schneeschippe an die Stelle vom Gartenwerkzeug geräumt, Rasenmäher gewartet, Dachterasse abgeräumt, Herbstmenü gekocht, auf Winterzeit umgestellt, über Extraschlaf gefreut (und mitleidig getan, als Eltern von ihren Kindern erzählten), ein Bild von mir in der Lift bestaunt und freudig folgenden Teller erdacht:

Beim Gemüsemann hab ich mich am Babyspinat festgefressen. Kleine hübsche grüne Blätter und nussiger Geschmack, der sich auch morgens regelmäßig in einem Frühstücks-Smoothie mit Banane, Orangensaft und Joghurt gut macht – heute mal als Pesto, mit angerösteten Walnüssen, Parmesan und Traubenkernöl püriert (Puristen nehmen hier den Mörser) und mit Pfeffer, Salz und Walnussöl abgeschmeckt. Auf Knoblauch habe ich ganz bewusst verzichtet, so sehr ich ihn mag…

Geräucherten Bauchspeck auslassen und Champignons darin anbraten. In der gleichen Pfanne Blutwurstscheiben und Apfelspalten mit viel Geduld langsam anbraten und die Apfelspalten im eigenen Saft karamelisieren lassen. Wer mehr Herbst möchte, muss Laub auf dem Tisch verteilen ;-)

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Im Buch

Neulich in Hamburg, der Heimatstadt meines Nachnamens. Irgendwie muss ich da Wurzeln haben, denn so fühlte sich das an, als ich meinen Fuss Montag morgens am Gate A38 auf hanseatischen Boden setzte. Eine knappe Flugstunde und die klemmende Parkbremse des Flugzeuges trennten die schwäbische Provinz von der Elbmündung und während ich mir so am Stuttgarter Gate parkend den Piloten vorstelle, wie er an der Handbremse zieht und zieht, während draussen der Copilot mit dem Radschlüssel auf der Bremstrommel seinen monotonen Rhythmus vorgibt, schlummere ich auch schon weg und werde erst wieder wach, als die bemüht freundliche Flugbegleiterin mir einen Müsliriegel unter die Nase hält.

Ein komisches Volk, das man Montagmorgens am Flughafen beobachten kann. Wichtig, gut gekleidet und Tomatensaftsaufend, die Präsentation nochmal checkend und mit dem Kollegen lauthals den Schlachtplan abstimmend tummeln sie sich am Gate. Ich mittendrin, der sich im einen Moment noch schämt, die Schuhe nicht geputzt zu haben, im Nächsten wieder Stolz auf seinen Nonkonformismus schnell nochmal die Timeline checkt und sich auf zu seinem Gangplatz macht. Dabei war ich der Coolste im Flieger, denn auf meinem iPhone wartete quasi druckfrisch das B_LOGBUCH auf mich und eine angemessene Gelegenheit den magischen ersten Satz zu lesen.

Im Trific war´s dann soweit. Nachdem ich mich Montags am Blut der Erde gelabt hab und Dienstags mit der lieben Mel erst in der Kleinen Brunnenstraße vorzüglich schlemmte und danach lernte was ein Rum-Bums in Hamburg bedeutet, befolgte ich Mittwoch Stevans Rat, auch alleine nachhaltig genießen zu können und reservierte dem Buch und mir einen Platz bei Familie Trific. Zwischen Pastinaken-Apfel-Suppe mit gebratener Blutwurscht, Duroc-Schweinebauch (mit pornösester Kruste), Kürbisstampf, Malzbier-Jus und Topinambur-Chips sowie zweierlei Schoko-Mousse, Capuccino und lecker Wein lernte ich viel neues über Arthurs Tochter. Dabei wurde mir klar, dass es ein Genuss-Gen geben muss, ein Gen, das selbst unter widrigen Bedingungen wie dem Aufwachsen mit dem verhassten Haferbrei und einer Jugend geprägt von religiös bedingten kulinarischen Einschränkungen einen Genuss-Menschen hervorbringt.

Für mich die stärksten Stellen im Buch, wenn Astrid von sich erzählt und uns Leser noch näher an sich ranlässt. Viele Geschichten, von denen sie erzählt durfte ich selbst miterleben und es war sehr schön, alle nochmal von ihr erzählt zu bekommen. Die Geschichte über unser erstes gemeinsames Kocherlebnis habe ich, wieder zuhause angekommen, als Gute Nacht Geschichte gelesen – eigentlich unnötig zu erwähnen, dass ich danach kaum mehr ein Auge zugemacht habe und hoffe sehr, dass es euch beim Lesen genauso geht. Für mich reiht sich Astrids B_LOGBUCH nahtlos in Bücher wie The Sweet Life in Paris und Monsieur, der Hummer und ich ein. Mit seinen Rezepten lädt es uns nicht nur an den heimischen Herd, nein, es wird auch noch serviert. Dabei verzichtet es konsequent auf Visualität, die längst im Kopf des Lesers geschaffen wurde. Hier reinlesen. Hier bestellen.

Pastinaken-Apfel-Suppe mit gebratener Blutwurst

Eine dicke Pastinake, 2 Kartoffeln, eine Zwiebel schälen und würfeln, in Butter anbraten und mit Gemüsebrühe gut bedecken. Alles weich kochen und gegen Ende der Kochzeit einen kleinen gewürfelten Apfel dazu geben. Alles zusammen im Mixer pürieren, auf kleinste Stufe schalten und mit weißem Pfeffer (Melange Blanc), Salz, etwas Chili und Apfel-Balsamessig abschmecken.

Blutwurst in Scheiben schneiden, mehlieren und in Butter anbraten.

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Kartoffeln und Liebe

Verdammt! Auch als Mann lernt man nie aus. Da kann man verheiratet sein wie man will, um sich herum Beziehungen in die Brüche gehen sehen, erlebt frisch verliebte Pärchen und denkt – man hat alles gesehen. Probiert ein neues Rezept aus und stellt selbstsicher fest: Boah, das ist der Knaller, das perfekte Essen für´s erste Date. Gut, Madame hat zurückhaltend darauf reagiert, aber das ist ja auch eine völlig andere Situation. Sie kommt von der Arbeit – da will sie nicht unbedingt verführt werden. Satt werden ist das vorrangige Ziel und während ich nicht mehr fertig werde von den Garnelen-Frikadellen mit Ingwer, Curry und Chili zu schwärmen, mir für die Avocado-Creme (perfekte Konsistenz, pfiffige Säure) auf die Schulter klopfe, mit der Pfanne durch die Küche tanze und die Kartoffeln (butterweich im Inneren, knusprigwürzig an der Schnittfläche) mit Sesam-Parmesan-Häubchen gratiniere… Bevor ich komplett abschweife: Kartoffel-Knaller Nummer Eins (aus dem Kartoffelbuch) – Kartoffel-Sesam-Burger mit Garnelen und Avocados:

Heute dann auf dem Speiseplan: Gebratene Kartoffelmaultaschen mit Apfel-Mett-Füllung. Joah, grundsolide Sache, eher deftig, ein Gericht, das nicht unbedingt durch seine Raffinesse besticht – bis ich zum Essen rufe und mich große Augen anschauen: Endlich, es riecht die ganze Zeit schon so lecker. Aha! Am Ende ging das Spiel dann vier zu drei aus. Für sie. Premiere in nun zehneinhalb Jahren.

Und urururursprünglich (4 ur) kam das ja so: Die vergessene Kuchentransportbox, dann kam der Schweinebauch vom Elverfeld, Herr Elverfeld hat den Löffel gekriegt und ich das Kartoffelbuch. Dazu muss man sich eigentlich nur merken: Die besten Geschichten fangen mit einer vergessenen Kuchentransportbox an. Jeeeeeedenfalls liebe ich das Kartoffelbuch und hasse Kartoffelteig! Die Gnocchi vom Silvestermenü hab ich ja noch hingekriegt, aber der Humm, 3-Sterne-Koch von Beruf, hat mich auf eine völlig falsche Fährte geschickt. Gnocchiteig über Nacht kalt stellen, ja Danke, probiert hab ich das mit dem Kartoffelteig für die Maultaschen und hab den dann am Folgetag weggeworfen. Matsch…

Was sich gut macht, sind die gekochten Kartoffeln über Nacht im Kühlschrank zu lagern. Für diesen Teig nimmt man 500g Mehligkochende (aus dem Kühlschrank, längst gekocht) und knetet zusammen mit 100g Weizenmehl, 2EL Speisestärke, 2 Eigelb, Salz und Muskat rasch einen gebundenen Teig. Den deckt man ab und begibt sich geschwind an die Füllung für die als erstes mal eine Zwiebel gewürfelt und in Butter gedünstet wird. Dazu kommen zwei säuerliche Äpfel, ebenfalls gewürfelt. Das ganze so zehn Minuten dünsten, 200g Mettwurst dazugeben (ich hatte tolle Mettwürstchen, die ich gewürfelt hab) und alles mit Pfeffer, Salz und gegebenenfalls Petersilie abschmecken. Wie Maultaschen aufrollen (s.o.) und in Sonnenblumenöl ausbacken – im Ofen bei 80-100 Grad fertig backen.

Sie hat eins mehr gegessen als ich. Mehr hätte man eigentlich garnicht dazu sagen müssen ;-)

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