Hochrippe mit Rauchlinsen vom Smoker

Jahrelang war Schmoren das Grillen des Winters. Jetzt, 2015, ist Wintergrillen das Grillen des Winters. Männer in Flannelhemden, als Holzfäller verkleidet, mit Bärten halb Zier, halb Schal, über den Fellkragen gekämmt. So wärmen sie sich an der Glut und bereiten ihre Beute über offenem Feuer zu. Im Schnee. Der ist (zur Not) kniehoch aufgeschüttet und weißer als die Bettlaken bei Frau Holle, da grade frisch ausgeschüttelt. Die Sonne steht tief und die Herren atmen ausgewachsene Schäfchen in die klare Luft. Ziemlich hippe Angelegenheit, wenn auch das Erlebnis in seiner Ästhetik zu Hause schwer nachzuahmen ist. Hier halt mehr so: Sonntagsschlabberlook, die Jogginghose aus dem letzten Jahrtausend mit liebgewonnenen Flecken und Flicken und (noch) ungeflickten Löchern. Der Zweitagebart hätte zwar das Zeug zum Vollwuchs, wird aber den Montagmorgen nicht erleben. Statt lässig im Schnee zu posen wird der Grill so Nahe an der Terassentür geparkt, wie es der gegebene Sicherheitshinweis halt zulässt um sich das lästige Ankleiden (lange Unterbuxe, Wollsocken, Stiefel, Schal, Handschuhe, Grillhandschuhe, Winterjacke, andere Winterjacke, weil die Dicke grad nicht mehr schließt…) zu ersparen.

Hochrippe mit Rauchlinsen vom Smoker

Schmoren oder Wintergrillen – zum Glück muss man sich da gar nicht festlegen. Ein Smoker kombiniert die langen Garzeiten und niedrigen Temperaturen des Schmortopfes mit der archaischen Kraft des Feuers.

Seit der Metzger darüber im Bilde ist, dass ein Smoker den Außenbereich des hansenschen Anwesens ziert, diskutieren wir regelmäßig über die besten Cuts, Temperaturen und Garzeiten im Räuchergrill. Während der Seniorchef wohl nicht von der Überlegenheit einer Rinderbrust abzubringen ist, sind Junior und ich uns in dieser Frage einig: Querrippe. Überhaupt ein schönes Stück Fleisch, nur heute nicht im Angebot. Ob ich nicht mal Hochrippe probieren möchte? Natürlich möschte ich das. Der Metzgermeister meint eine Kerntemperatur im Bereich von 90 Grad sei angebracht – mit meinem Vorschlag von Vierundfünfzig ist er nicht einverstanden. Da müsse schon alles perfekt gelaufen sein, von der Aufzucht bis zur Reifung. Nicht, dass er sich da selbst nicht über den Weg traut – mit Vorbestellung ist hier alles möglich, aber so viel Zeit hab ich grade nicht.

Eigentlich ist das Smoken, wie das Schmoren, keine große Herausforderung – die liegt eher darin, sich im Glaubenskrieg zu behaupten, der mit der Zubereitung großer Fleischstücke im Rauch einhergeht. Ich halte mich hier strickt an die Regel: Keep it Simple und wer Zeit hat 16-18 Stunden zu grillen, der kann sein Fleisch vorher auch für 24 Stunden einlegen. Daher hier meine drei einfachen Annahmen zum erfolgreichen Garen großer Fleischstücke auf dem Smoker 1

  • Das Fleisch wird 24 Stunden in einer Salz- und Zuckerlösung (Brine) eingelegt. Zum einen „saugt“ sich das Fleisch mit Wasser voll, aber gleichzeitig auch mit Salz und weiteren Geschmacksstoffen der Brine. Dank dieses Vorgangs bleibt das Fleisch beim Garen auch wesentlich länger saftig. Fleisch für den Smoker wird sehr gerne mit einer Marinierspritze bearbeitet. Dabei wird eine Flüssigkeit direkt ins Fleisch gespritzt, bevor es auf den Grill kommt. Aber genau wie in der Pfanne, ziehen sich die Fasern im Fleisch unter Hitzeeinwirkung zusammen und pressen diese Flüssigkeit einfach wieder raus, während unsere Brine längst in den Zellen der Fleischfasern festsitzt. Wer’s noch genauer wissen will googelt mal Osmose und Permeation – Daher auch:
  • Verzichten auf’s Moppen. Beim Moppen wird das Fleisch grade gegen Ende längerer Garzeiten mit einer säurehaltigen Flüssigkeiten bepinselt um es vor dem Austrocknen zu bewahren. Dazu muss naturgemäß der Deckel des Smokers geöffnet werden, worauf wir jedoch gegen Ende der Garzeit gerne verzichten wollen2.
  • Und noch eine Sammelannahme: Verzicht auf weitere gut gemeinte Ratschläge. Das Räucherholz wird nicht gewässert, ich möchte keinen schmodrigen, dichten Rauch. Das Ziel ist eher ein dünner, bläulicher Rauch – dicke Rauchschwaden machen zwar mächtig Eindruck in der Nachbarschaft und erhöhen den Bekanntheitsgrad bei der Freiwilligen Feuerwehr, dem guten Geschmack helfen sie allerdings nicht. Wer also auf den Freiwilligendienst beim nächsten Feuerwehrfest verzichten möchte, verzichtet aufch auf’s Wässern und kauft statt Chips lieber Chunks. Weiters gilt: Der Deckel bleibt drauf – es interessiert nur das Thermometer. Der Rest steht in der Anleitung des Smokers.

Skeptiker schauen bitte nochmal oben auf’s Bild 😉

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Hochrippe vom Smoker
 
Vorbereitung
Kochzeit
Gesamtzeit
 
Zutaten
  • 60g Salz
  • 60g Zucker
  • 20 Schwarze Pfefferkörner
  • 1 EL Kaffeebohnen
  • 1 EL Koriandersaat
  • 6 Wacholderbeeren
  • 4 Pimentkörner
  • 4 Nelken
  • 2 Lorbeerblätter


  • 4 EL Brauner Zucker
  • 2 EL Schwarze Pfefferkörner
  • 1 EL Paprika, rosenscharf
  • 1 EL Pimenton de la Vera
  • 1 EL Kreuzkümmel
  • 1 EL Senfkörner
  • 1 EL Selleriesaat
  • 1 TL Zimt
Anweisungen
  1. Gewürze, die als Körner vorliegen, kurz anrösten und mit dem Zucker im Mörser fein mahlen. Restliche Gewürze darunter mischen.
  2. Fleisch aus der Brine nehmen und trocken tupfen. Rundherum großzügig mit der Gewürzmischung bestreuen.
  3. Fleisch in Frischhaltefolie einwickeln und Feuer machen, der Smoker sollte um die 125 Grad haben. Bis der Smoker fertig vorbereitet ist vergehen in der Regel 1,5 Stunden, das reicht für die Gewürze.
  4. Fleisch auf dem Smoker platzieren und ein Thermometer einstecken. Garen, bis eine Kerntemperatur von 92 Grad erreicht ist. Das dauert. Lange. 16, 18, 20 Stunden sind auch bei Hochrippe keine Seltenheit. Außerdem gibt es unterwegs zwei Plateau-Phasen, wo sich mal stundenlang gar nichts tut. Das gehört so. Die Temperatur des Smokers nach Hersteller-Anleitung überwachen. Dazu braucht es auch ein bisschen Übung.
  5. Fleisch in Alufolie einwickeln, in einer Iso-Box ca. 30-60 Minuten lagern, je nach dem, was es noch für die Mahlzeit vorzubereiten gibt ;-)

Smoken ist kein verlustfreies Geschäft. Grade zu Beginn der Garzeit verliert das Gargut (trotz aller Annahmen) einiges an Flüssigkeit und Fett, weshalb der schlaue Koch einen Topf vorgekochter Linsen bereithält um diese Köstlichkeit aufzufangen , damit das Fleisch nicht umsonst geschwitzt hat und die Beilage gleich mit aromatisiert. Zubereitet werden die Linsen ansonsten ganz klassisch, bekommen aber ein leicht rauchiges und insgesamt kräftigeres Aroma, ohne ihren zarten Eigengeschmack zu verlieren.

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Rauchlinsen
 
Vorbereitung
Kochzeit
Gesamtzeit
 
Zutaten
  • 250g Linsen, z.B. Alb-Leisa
  • 1 Bund Suppengemüse
  • 1 Zwiebel
  • 2 EL Tomatenmark
  • 1 EL Mehl
  • 500ml helle Brühe - Geflügel- oder Gemüsebrühe
  • 150ml trockener Rotwein
  • 1 EL getrockneter Majoran
  • ½ EL getrocknetes Bohnenkraut
  • 1 EL geräuchertes Paprikapulver mild
  • Pfeffer & Salz
  • Apfelessig
Anweisungen
  1. Die Linsen in ungesalzenem Wasser etwas kürzer als die Packungsanweisung ausgibt vorkochen
  2. Topf (oder anderes geeignets Gefäß) mit den Linsen zu Beginn der Garzeit unter das Fleisch auf den Smoker stellen. Nach 3 Stunden verliert das Fleisch kaum mehr Fett und Saft, die Linsen können dann wieder vom Smoker genommen werden.
  3. Suppengemüse und Zwiebel fein würfeln und in Butter goldgelb anbraten.
  4. Mehl und Zucker zum Suppengemüse geben und mit braten, so dass sich ein dunkler Satz am Topfboden bildet. Mit Rotwein ablöschen und aufkochen.
  5. Brühe angießen, Linsen, Kräuter, Paprika und Salz dazugeben und auf die Hälfte offen k einkochen.
  6. Mit Pfeffer, Salz und Essig säuerlich abschmecken.
  1. Ich arbeite mit einem Weber Smokey Mountain Cooker. Die geschilderten Annahmen, sind nur auf diesem Wassersmoker überprüft – man kann davon ausgehen, dass andere Bauarten sich grundsätzlich anders verhalten.
  2. Jeder, der bei 88 Grad Kerntemperatur nochmal nachfeuern musste, kann ein Lied davon singen. Smoker laufen in der Regel mit einer Temperatur von 125 Grad, um damit auf eine Kerntemperatur von über 90 Grad zu kommen braucht es: 1. Viel Zeit und 2. Möglichst konstante Temperaturen.

Farfalle mit Erbsen, Chili, Speck und Minze

Der Sommer gibt nochmal Gas dieses Wochenende. Grund genug eines unserer liebsten Sommergerichte auf die Tageskarte zu setzen. Erbsen gibt´s noch auf dem gut sortierten Wochenmarkt, Chilis haben grade Hochsaison und Minze steht doch heutzutage auf jedem Fensterbrett.

Hart chillen ist dieses Wochenende nochmal angesagt, alles andere kann liegen bleiben für die dunklen, nebligen Herbsttage. Am besten gleich heute das Nötigste einkaufen, Samstag morgen (früh!) auf den Markt, vielleicht noch ne Limo machen, Eis, am frühen (die Sonne ist um sieben weg) Abend den Grill anfeuern und die letzten Kohlen verfeuern, eingefrorene Würste und Steaks aufbrauchen und im Weinkeller Platz für den Roten machen. So schön wird´s erst wieder nächsten Herbst. Deshalb gilt für den Sonntag ein ähnliches Programm. Länger schlafen, länger frühstücken, gerne mit gutem Sekt und dann leicht beschwipst in den Tag schunkeln. Und wehe ich erwische einen beim Rasenmähen!

Farfalle mit Erbsen, Chili, Minze und Speck

Die Farfalle kann man dann immernoch am Montag machen – ich schick nur heute schonmal das Rezept raus, damit ihr das auf den Einkaufszettel packen könnt. Für den Fall, dass das Bild noch nicht Motivation genug ist: Erbsen und Minze – müssen wir nicht drüber sprechen. Ei und Sahne gehen eine üppig cremige Liason mit den Farfalle ein, die in jedem Winkel Platz dafür haben. Würziger Speck und scharfe Chilis, dazu noch ein Glas Rose – wenn ich´s mir recht überlege vielleicht doch was für Sonntag Abend…

Minze

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Farfalle mit Erbsen, Chili, Speck und Minze
 
Vorbereitung
Kochzeit
Gesamtzeit
 
Frei interpretiert aus Chili. Die andere kulinarische Bibliothek mit über 80 Rezepten (Affiliate Link) - Für 4 Personen
Portionen: 4
Zutaten
  • 500g Farfalle
  • 150g Erbsen
  • 2 Eier (L)
  • 200ml Sahne
  • 1 Chili
  • Salz
  • 12 Scheiben Speck
  • 2 Zweige Minze
  • geriebener Parmesan
Anweisungen
  1. Die Farfalle in reichlich Wasser nach Packunsanweisung bissfest kochen. Gut 2 Minunten vor Ende der Garzeit die Erbsen ins Nudelnwasser geben und mitblanchieren.
  2. Die Chili entkernen und fein hacken. Mit Sahne und Ei verquirlen und Salzen.
  3. Speck in Streifen schneiden und in einer großen Pfanne knusprig braten.
  4. Die Erbsen-Farfalle abgießen und kurz unter kaltem Wasser abbrausen. Etwas, was ich unter anderen Umständen nie tun würde. Mischt man aber die noch sehr heißen Nudeln direkt mit der Sahne-Ei-Mischung, gerinnt diese sofort und das Gericht sieht aus wie Nudeln mit Rührei.
  5. Die Erbsen-Farfalle zum Speck geben und die Sahne-Ei-Masse unterrühren. Vorsichtig erhitzen und rühren, bis die Sauce merklich eingedickt, aber noch nicht geronnen ist.
  6. Minzeblätter in feine Streifen schneiden und über die Farfalle geben, mit geriebenem Parmesan bestreuen.

Kürbis-Guacamole und Rote Bete Chips

Ein gut gemeinter Ratschlag, den man Übergewichtigen gerne mit auf den Weg gibt ist: Belohne dich nicht mit Essen, du bist schließlich kein Hund.

Funktioniert super bei mir, wie die meisten gut gemeinten Ratschläge. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle ob es ein guter Tag war, voller Erfolge, abgehakter Todos und glücklicher Ehefrau. Oder ein Tag, verschwendet auf Facebook und den geteilten Weiten des Netzes. Es muss nicht mal jemand mit der Tüte Nachos vor meiner Nase herumwedeln, nicht mal ein Knistern braucht es: Manchmal schlägt die Junkfood-Amnesie einfach unangekündigt zu – dann brauche ich zwei Avocados und rühre als Alibi eine Guacamole zusammen (gesund) und ersäufe eine Tüte überwürzter, glutamatverseuchter Chips darin.

Kürbis-Guacamole und Rote Bete Chips

Neulich in meiner (imaginären) Entzugsklinik – die meinen es da auch alle nur gut – saßen wir im Kreis und haben uns von tollen Rezepten erzählt, gesunde Alternativen und so. Knäckebrot, vegane Linsencreme, Verzicht ganz allgemein und ich dachte mir: Alter, so kann das doch nicht weitergehn. Ich hatte Glück: Zwei Bier lagen in der Null-Grad-Schublade. Aber keine Chips und wenn man mal spontan perfekt gereifte Avocados braucht… Aber ein Kürbis lächelte mich mit seiner eingeritzten Fratze an und ich spürte langsam, wie ich der Junkfood-Amnesie Herr werden könnte. Matscht man einen gegarten Kürbis zusammen, hat er die Konsistenz einer reifen Avocado – und das so schnell (ca. 15 Minuten) und oft und zu jeder Tages- und Nachtzeit, wie man’s eben braucht. Fehlten nur noch die Chips, und alles, was vom Vorrat in dünne, runde Scheiben geschnitten werden konnte waren: Rote Bete. Dank der lieben Dani, einer unerschöpflichen Quelle kreativer, frischer Rezeptideen, wusste ich auch schnell, wie aus der roten Knolle knusprige Ersatzbefriedigung wird:

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Kürbis-Guacamole und Rote Bete Chips
 
Vorbereitung
Kochzeit
Gesamtzeit
 
Für Zwei, zum Knabern
Portionen: 2
Zutaten
  • 5 Knollen Rote Bete, geschält
  • 3 EL Olivenöl
  • Meersalzflocken
  • ½ mittelgroßer Kürbis (z.B. Hokkaido)
  • 2 Tomaten
  • 1 Schalotte
  • 2 Knoblauchzehen
  • 6 EL Olivenöl
  • 2 EL Tomatenessig (alternativ milder Weißweinessig)
  • Pfeffer, Salz, Kreuzkümmel, geräucherte Paprika
Anweisungen
  1. Die Rote Bete in möglichst dünne Scheiben schneiden. Meine waren vermutlich etwas zu dick, was die Garzeit auf gefühlte 3 Stunden verlängerte. Hier sind weiter Experimente von Nöten. Das Endergebnis hat aber überzeugt und war die Zeit wert.
  2. Ofen auf 140 Grad Umluft vorheizen.
  3. Rote Bete mit dem Olivenöl mischen, so dass alle Scheiben mit Öl überzogen sind.
  4. Scheiben auf 2 Backbleche verteilen und im Ofen ca. 30 Minuten garen. Die Ränder der Bete kräuseln sich nach oben, es sollte keine Flüssigkeit mehr darauf stehen. Richtig knusprig werden sie erst beim trocknen. Ich habe meine Rote Bete dann bei niedrigerer Temperatur (100 Grad) und einem Spalt offener Ofentür getrocknet. Das hat eine gute Stunde gedauert.
  5. Ofen wieder auf 200 Grad hochfahren.
  6. Den Kürbis in der Zwischenzeit in ca. 4cm große Würfel schneiden, auf dem Backbleck verteilen und ca. 15 Minuten garen, bis die Würfel weich sind.
  7. Kürbiswürfel mit Tomaten, Knoblauch, Essig und Öl grob pürieren.
  8. Schalotten fein würfeln und unterheben.
  9. Mit den Gewürzen abschmecken.

Mirabellen und Ingwer (Burger & Cocktail)

Liebe Damen,

möglicherweise teile ich heute ein großes Geheimnis mit Ihnen – nicht nur Sie haben oft nichts zum Anziehen. Auch wir Männer (insbesondere die mit einem Leibesumfang, den verschiedene Modeproduzenten bereits als zu üppig für ihre Kollektion befinden) stehen oft ratlos vor dem zugegebenermaßen überschaubareren Angebot der heimischen Garderobe. Wir neigen dann zu Impulskäufen, die bei eingezogener Wampe vor´m Hohlspiegel die Problemzonen nicht zur Geltung bringen und feiern dies mit Burger auf dem Heimweg und einem feinen Cocktail vor’m zu Bett gehen. Das böse Erwachen folgt dann bereits am nächsten Morgen, wenn der Hosen- oder Hemdknopf wegen aufgeschwämmtem Körper nicht mehr schließen will und neues Oberkleid ungetragen zu einer Reihe anderer Kleidungsstücke wandert, was nichts macht, da Mann sowieso in den nächsten Wochen mehrere Kilos verlieren wird, was in Wirklichkeit natürlich nicht passieren wird.

Dann aber, und ich schwöre es fühlt sich an wie Weihnachten und Geburtstag an einem Tag, entdeckt der Freund vom Schwager eines Arbeitskollegen ein neues Outlet mit gut geschnittenen, modischen Oberhemden bis Größe 48 und man fährt hin, kauft sich in einen Rausch und ist für viele Monate versöhnt mit dem Kleiderschrank, so denn Mutti alles zeitnah gebügelt kriegt. (Und glauben Sie mir, die bügelt auch, wenn bügelfrei darauf steht!)

Burger mit Mirabellenkompott

Die beiden Gerichte aus diesem Beitrag sind ebensolche Volltreffer, geschmacklich, und wie ich finde auch optisch. Ähnliche Ebbe wie im Kleiderschrank herrschte die letzten Wochen in der Hausbar. Ein Besuch bei Lars in der Destillerie Kohler, die er zusammen mit seinem Großvater Eberhard Kohler betreibt, endete in einem äußerst kurzweiligen Nachmittag inkl. Brennereiführung und ausführlicher Verkostung. Eine meiner liebsten Spirituosen der beiden Herren ist der Ingwer, der sich vielseitig in Mixgetränken und besonders beim Kochen verwenden lässt. Am Samstagmorgen bin ich bei meinen Markt-Omis noch zu ganz tollen Mirabellen gekommen, aus denen ich dann am Sonntag ein süßes Kompott gekocht habe. Ein genaues Rezept kann ich dazu nicht aufschreiben, aber es waren ungefähr 1.5 Kilo Mirabellen, die Frau Hansen und ich in mühevoller Kleinarbeiten entkernten und würfelten (ich wollte es gleichmäßig stückig). In einem großen Topf habe ich den Boden mit Zucker bedeckt, diesen karamelisieren lassen und mit Weißwein abgelöscht. Die Mirabellen darin zusammen mit einer Zimtstange, Sternanis und Ingwer weich gekocht und am Ende noch mit Zitronensaft und 2EL des Ingwerschnaps abgeschmeckt. Das ist so lecker, dass ich kurz überlegte mein Leben ab sofort der Herstellung und dem Verzehr dieses Kompott zu widmen, aber die Mirabellensaison ist kurz…

Das Kompott, so süß es ist, macht sich dank seiner subtilen Schärfe auch sehr gut auf einem Burger – hier zusammen mit Ruccola, Speck, Bergkäse und etwas Gurke, die ich vor ein paar Wochen ganz klassisch eingelegt hatte.

So ein guter Burger braucht auch eine angemessene Begleitung, und da die Kombination von Ingwer und Mirabelle schon im Kompott so gut funktioniert hat, dachte ich mir, es müsse auch in einem Cocktail klappen und ich kann sagen – ich habe mich nicht enttäuscht.

Cocktail mit Bourbon, Ingwer und Mirabelle

4 Mirabellen entkernen und in einer Tasse zu Muß stampfen. Das Muß durch ein Sieb in ein Cocktailglas passieren. 4cl Bourbon und 2cl Ingwerschnaps dazugeben, mit Crushed Eis auffüllen, umrühren und einem Zweig Zitronenmelisse garnieren.

Bis zum 31.08. läuft noch mein Rezeptwettbewerb, bei dem es einen Kochkurs bei Andi und Franzi Schweiger inkl. Anfahrt und Übernachtung im Wert von 1000€ zu gewinnen gibt!

Zwetschgen und Pflaumen – Menü mit Gewinnspiel

Heute widme ich mich voll und ganz dem Thema Zwetschgen und Pflaumen, dem beliebten Saisonobst, das ihr im Moment an schwer tragenden Ästen in vielen Gärten hängen seht. Oft liegt auch schon einiges davon am Boden – klingelt doch mal beim Besitzer, ich bin sicher er freut sich, wenn ihm jemand etwas davon abnimmt. Wenn er nicht möchte, könnt ihr ihm immernoch diesen Artikel, ausgedruckt (vielleicht hat er kein Internet) geben und zeigen, dass aus Zwetschgen und Pflaumen mehr entstehen kann, als Streuselkuchen.

Zusammen mit der Initiative „Deutschland – Mein Garten.„, die im Auftrag der Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse e.V. (BVEO) über die vielen Frische-, Qualitäts- und Umweltvorteile von deutschem Obst und Gemüse informiert, darf ich euch heute einen Rezept-Wettbewerb rund ums beste Pflaumen- und Zwetschgenrezept vorstellen. Denn in diesem Sommer erwartet uns aufgrund des milden Winters eine ganz besonders gute Ernte. Das Steinobst kommt noch bis Mitte Oktober frisch auf den Teller. Dank seiner Vielseitigkeit lässt sich gut ein ganzes Menü daraus zubereiten. Darum haben wir uns gedacht, Chef Hansen übernimmt schonmal den harten Part und präsentiert Vorspeise & Hauptgang, damit die lieben Leser sich voll und ganz auf ihr Lieblingsthema, die Nachspeise konzentrieren können. Der Gewinner darf zusammen mit einer Begleitperson die Kochschule von Andi und Franzi Schweiger, den Botschaftern der Kampagne, besuchen. An- und Abreise, sowie Übernachtung sind ebenfalls Teil des Gewinns. Details zu den Teilnahmebedingungen findet ihr am Ende des Artikels.

Zwetschgen

Bei den Zwetschgen und Pflaumen ist es ganz ähnlich wie in einem typischen Hunsrückdorf – irgendwie sind alle miteinander verwandt. Zunächste gibt´s da die Pflaumen, die waren schon immer da. Groß und rund, süß und saftig hängen sie an stolzen Bäumen. Über die Jahre haben sie sich fortgepflanzt und andere Sorten sind daraus entstanden: Die eher grünlichen Renekloden und die sehr beliebten, kleineren, supersüßen gelben Mirabellen aus denen nicht nur im Hunsrück mit Vorliebe Schnaps gebrannt wird. Und dann gibt´s da noch die Zwetschgen als weitere Unterart der Pflaumen. Nie wirklich aus dem Schatten der Pflaume getreten, etwas kleiner, aber dank ihrem eher süß/sauren Geschmack vielseitiger zu verwenden. Der Wassergehalt von Zwetschgen ist außerdem geringer als der von Pflaumen, weshalb sich die Zwetschge besser zum Backen eignet.

Für meine Vorspeise wollte ich Pflaumen in Speck wickeln – so wie man es sonst mit Datteln macht. Die Zwetschgen karamelisieren schön unter der Hitze und die Süße sollte einen würzigen Partner bekommen. Viele Menschen entscheiden sich aus nachvollziehbaren Gründen dafür, auf Fleisch zu verzichten – auf würzig-süße Zwetschgen am Grillspieß sollen sie aber nicht verzichten müssen, weshalb ich auch noch einige der Steinfrüchte mit Ziegenkäse gefüllt und in Zucchinischeiben gewickelt habe. Darüber hinaus darf man bei Grillspießen immer kreativ sein, weshalb sich auf meinen auch noch Paprika, würzige Hackbällchen, Schweinefleisch, Brokkoli und Frühlingszwiebeln finden. Hier geht´s zum Rezept.

Zwetschgen im Speckmantel, oder mit Käse gefüllt und in Zucchini gemantelt.

Bei der Hauptspeise habe ich mich ein bisschen ausgetobt. Schon lange habe ich nach einem Gericht gesucht, zu dem ich Kardamom-Karotten machen könnte 😉 Die Karotten schmoren in ihrem eigenen Saft, nur zusammen mit etwas Ahornsirup und frisch gemörsertem Kardamom. Dazu gibt es Entenbrüste, die ich mit Zwetschgen, Schwarzbrot, Chili und Speck gefüllt habe. Neben den ganzen kräftigen Aromen kam mir Schwarzbrot am sinnvollsten für die Füllung vor und ich habe das keinen Bissen lang bereut. Sollte ich mehr mit machen. Getoppt wurde dieser Teller mit einer Pflaumen-Portwein-Sauce, die auch wieder kräftig genug war um neben diesen ganzen Power-Aromen zu bestehen, aber auch gut zu anderen Fleischgerichten passen wird. Schaut euch das Rezept an.

Gefüllte Entenbrust mit Pflaumen-Portwein-Sauce und Kardamom-Karotten

Die Teilnahmebedingungen:

  • Als Rezept soll ein Dessert-Rezept eingereicht werden, das möglichst gut zu den beiden Rezepten in diesem Artikel passt.
  • Jeder Teilnehmer darf ein Rezept ins Rennen schicken. Aufgerufen sind ausdrücklich nicht nur Blogger, sondern alle Leser. Die Rezepte erreichen mich entweder über einen Kommentar zu diesem Artikel mit Link zum eigenen Rezept, oder per E-Mail (alex@chefhansen.de).
  • Für die Blogger-Kollegen gilt: Keine Rezepte aus dem Archiv, denkt euch was neues aus 😉
  • Das Mindestalter beträgt 18 Jahre und die Teilnehmer müssen in Deutschland leben.
  • Angehörige der BVEO, fischerAppelt und chefhansen.de sind von der Teilnahme ausgeschlossen.
  • Das Rezept muss nachkochbar sein, denn ich werde aus allein Einreichungen die 3 Rezepte auswählen, die mir persönlich am Besten gefallen, alle 3 nachkochen und von einer unabhängigen Test-Jury bewerten lassen.
  • Der Gewinner wird von mir per E-Mail benachrichtigt (und in einem Artikel vorgestellt, in dem die 3 von mir nachgekochten Rezepte vorgestellt werden), die weitere Abwicklung des Gewinns (Terminabsprache, Reisebuchung…) läuft über die begleitende Agentur fischerAppelt
  • Abgabeschluss ist der 31.08.2014 23:59

Ich freue mich sehr euch diesen Wettbewerb in Zusammenarbeit mit der BVEO präsentieren zu dürfen und bin gespannt auf viele kreative Rezepte. Mehr Informationen, hilfreiche Tipps und viele Rezepte rund um Obst und Gemüse aus Deutschland findet Ihr auf der Website von „Deutschland – Mein Garten.“ (Link) oder auf facebook (Link) oder Pinterest (Link)