Don´t stop the Groove

Grade vier Wochen ist es her, dass wir ein wahnsinnig grooviges Wochenende erleben durften (Das Who is Who der versammelten Foodbloggerwelt berichtete). Am Liebsten möchte man die Erinnerung an das Erlebte schön rahmen und an einem besonderen Platz im Herzen aufhängen.

Oder man legt nochmal ne Schippe drauf – das Rezept dazu ist sehr einfach, man nehme:

  1. Termin zur Abholung der Kuchen-Transportbox vereinbaren.
  2. Gemeinsam überlegen, ob man das nicht gleich mit lecker Essen kombinieren soll.
  3. Feststellen, dass man ja auch selbst gut kochen kann.
  4. Zusammen kochen
  5. Für mein “Ran an den Speck” Event
  6. Aus dem Elverfeld

Daraus wird nicht weniger als ein Sonntag-Nachmittag mit tollen Menschen, tollem Essen und tollem Wein – Ostern, Weihnachten und Geburtstag an einem Tag. Auf der Speisekarte stand:

Jungschweinebauch mit Entenleber, Zwetschgenmus & Kaiserschmarrn.

Der Wahnsinn nahm schon sechs Tage im Voraus seinen Lauf. Der Schweinebauch wollte gegrillt, vakuumiert und 14 Stunden bei 68 Grad gebadet werden. Männersache. Da das Gericht nicht im Rahmen eines vielgängigen Menüs präsentiert werden sollte, war ich so großzügig die Fleischmenge zu verdoppeln und bat in der Metzgerei der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall um 700 Gramm Bauch vom Mohrenköpfle und habe genau das bekommen, auf´s Gramm. Die lieben Lebensmittel!

Frisch von der Schwarte getrennt, mit Meersalz und weißem Pfeffer ging der Wahnsinn auf dem Grill weiter. Eine echt abenteuerliche Sache so viel Fett über glühenden Kohlen zu balancieren. Zwei Blöcke Buchenholz sorgten für ordentliches Raucharoma, das dann zusammen mit etwas Olivenöl und dem Fleisch in meinem letzen Vakuumbeutel versiegelt wurde.

Es folgten fünf schlaflose Nächte, begleitet von einer ausgewachsenen Sommergrippe und der Sorge, was wohl mit dem Rauch- und Grillaroma passiert. Bekommen wir Fleisch, das nur noch nach verbranntem Holz und Grill schmeckt? Schweinefleisch mit Raucharoma? Am Ende war es der zweitbeste Schweinebauch meines Lebens. Platz eins ist leider schon auf alle Zeit vergeben – der brutzelte im Schwarzwald zwischen zwei glühenden Holzstämmen, morgens um sechs, nach einer der legendären Adler-Parties…

Wahnsinnig lustig fanden wir die Schwartenchips – übrigens bei Atkins-Jüngern ein sehr beliebter Fernseh-Snack und garantiert Kohlenhydratefrei 😉 Um diese Chips herzustellen, wird die Schwarte zunächst für zwei Stunden beim 100 Grad im Konvektomaten gedämpft. Meine Näherung an einen Konvektomaten bestand aus einem Dampfdrucktopf, in dem die Schwarte, mit Traubenkernöl massiert, drucklos aufquoll. Nach meinen Physikkenntnissen müssten in einem solchen Topf, ohne Druck, ungefähr 100 Grad herrschen – aber ich lass mich da gerne nochmal aufklären! Da ich auch keinen Dehydrator mein Eigen nenne, der Backofen aber ein Dörr-Programm hat, wurde die Schwarte, mittlerweile in dünne Streifen geschnitten, dort getrocknet und mussten bei Astrid nur noch im Wok frittiert werden. Mit Salz, weißem Pfeffer, Koriandersaat und Chili wurde daraus der crunchige Teil unseres Tellers.

Das Kochen in einer fremden Küche habe ich unterschätzt. Nicht, dass ich Stress mit Karamell kochen hätte, aber da geht ja auch schon mal was daneben. Oder flambieren. Hab ich zwar noch nie gemacht, aber wenn ich eine Küche abfackle, dann doch wenigstens nicht meine eigene. Aber ich hatte Astrid an meiner Seite, die meine zitternde Hand tätschelte während sie mit dem Brenner in der anderen Hand das Zwetschenwasser in Brand steckte. Alles halb so schlimm – mach ich jetzt öfter.

Das Zwetschgenmus war ohnehin so ne Aromenexplosion. Eigentlich bin ich kein großer Freund von zu vielen Zutaten, aber hier fügten sich Zwetschgen, Vanille, Zimt, Lorbeer, Sternanis, Portwein, Rotwein, Zwetschgenwasser, alter Balsamico, ein Schlückchen Fleischsaft aus dem Vakuumbeutel, Maldon-Salz und eine eigens zusammengestellte und geröstete Pfeffermischung zu einem runden Mus zusammen. Klopf ich uns mal frech selbst auf die Schulter für 😉

Und sowieso: Die Frau kann ja kochen… Eine Freude da mitmachen zu dürfen. Wie selbstverständlich wird da der Kaiserschmarrn (Eugen, zieh dich warm an) gerührt, gebacken und karamelisiert, die Entenleber mehliert und angebraten, nebenbei köstlichster Wein serviert, auf den Stuhl und in den riesigen Einbauschrank geklettert, der Mitkocher mit lebenswichtigen Utensilien versorgt (Teigschaber hier, Sieb da, ein Schüsselchen und noch ein Schüsselchen), großzügig über Albernheiten hinweg sehen (Pürierstab ohne Messer verwenden sorgt höchstens für Wirbel) und dann letztlich und endlich einen Schritt zurück getreten und den Gastkoch anrichten gelassen. Große Geste, große Ehre :)

Wir haben gelacht, gekocht, gegessen, getrunken, genossen – über Stunden ging uns der Gesprächsstoff nicht aus, aber plötzlich war es still. Anrichten war angesagt. Wie uns der P.hotograf später versicherte, muss es wohl ein beeindruckender Moment gewesen sein. Fand ich auch. Stundenlange Bemühungen kulminieren in wenigen Sekunden auf einem Teller. Das Aqua hat dafür 14 oder so Köche, aber zu zweit macht das viel mehr Spaß:

Und als wär das Alles nicht schon Ehre genug, durfte ich auch noch mit Astrid zusammen die neue Eismaschine in Gebrauch nehmen. Dazu hatten wir uns im Vorfeld gemeinsam das Lavendel-Honig-Eis von David Lebovitz ausgesucht, das Astrid hervorragend mit feinem Lavendel-Honig vorbereitete und die gute Eismaschine daraus einen cremigen Traum bereitete. Dazu gab’s von mir noch in Pernod gebackene Feigen, ebenfalls mit etwas Honig. Die perfekte Beilage für das Eis, schön heiß mit leichtem Karamell-Cross… Wenn´s denn so gewesen wäre 😉 Aber ganz ohne Pannen läuft´s bei mir garnix…

Immer wieder denke ich gerne an diesen Sonntag zurück – schon allein wegen den 746 Bildern, aus denen ich diese Auswahl getroffen habe. Definitiv mein schönstes Kocherlebnis. Ich schließe jetzt kurz die Augen, mache gedanklich einen Rahmen um diesen Artikel und hänge ihn mir an einem besonderen Ort auf. Astrid, vielen Dank, dass du das möglich gemacht hast. Lieben Dank auch dem Kamerakind P. und last but not least: Danke Frau Hansen für die Geduld :)

Und natürlich nehmen wir ganz offiziell teil:

Blog-Event LXX - Ran an den Speck (Einsendeschluss 15. August 2011)

Und bitte lest hier weiter: Kunst Buch Essen Kochen

Comments

  1. says

    :-) Was soll man da als Kommentatorin anders schreiben als: “Ich wäre so gerne auch dabei gewesen.” Es sieht alles so wunderbar aus und ich weiss, wieviel Spaß und Genuss man mit Arthurs Tochter und Ihrem Food-P.aparazzi haben kann.

    Ich drücke Euch in Gedanken für die beiden schönen Berichte auf euren Blogs und würde am liebsten die Sachen auf den Fotos jetzt gleich “verdrücken” mmmmmmmhhhhhhhhh

  2. says

    Lieber Alex, nicht nur die Erinnerung an diesen schönen einzigartigen Tag rahme ich mir in meinem Herzen ein. Nein, auch Deine Würdigung dessen und Deine Fähigkeit, fast Unbeschreibliches in so schöne Worte zu kleiden! *hach…

    Und fast hätte ich den Event vergessen! Aber das ist ja auch kein Wunder, bei diesen Ereignissen! :)
    Hab´s schnell noch eingefügt. Am Ende denken die Leser/innen noch, wir machen das alles nur zum Spaß! 😉

  3. says

    Vielen Dank fürs Dranteilhabenlassen an einem scheinbar großartigen kleinen Kochevent.
    Tolle Bilder, tolles Essen, tolle Menschen!

    LG Maja

  4. Frau Hansen says

    Der Satz mit dem einrahmen im Herzen ist genauso zum dahinschmelzen wie es das Essen auch war! Wie schön dass wir so einen tollen P.hotograph dabei hatten so dass das ein oder andere Bild auch öffentlich (oder verscrappt) eingerahmt werden kann. *hach*

  5. says

    So toll. Ich hab ja eben bei Astrids Post schon den Mund offen gelassen beim Lesen. So jetzt auch bei dir. Hoffentlich bekomm ich keine Mandelentzündung :-)
    Ihr seid echt Spitze!

  6. says

    schon drüben bei at kommentiert, aber weil ihr das so schön gemacht habt, auch hier nochmal gewürdigt: wahnsinnig präzise umgesetzt, auch wenn es nicht das gericht meiner wahl wäre (süß in allen bestandteilen). freue mich auf euer nächstes mal und weitere so schöne fotos.

  7. says

    Ihr habt euch echt selbst übertroffen! Verrückt nenn ich solche Leute! Einfach nur kochverrückt! Kann ich das nächste Mal auch mitmachen? Hab Astrid schon gesagt, dass ich auch meinen Elverfeld zur Küchenschlacht zur Verfügung stellen würde. Der hat eh schon Kratzer ;-)!

  8. says

    Danke für diesen tollen Beitrag, ich hatte das Gefühl, dabei zu sein! Ein ambitioniertes Kochprogramm habt ihr euch da vorgenommen und wie zu erwarten bravourös gemeistert. Toll!

    Und ich muss jetzt ganz dringend mit meinem Cousin einen Termin fürs nächste Kochwochenende vereinbaren :-))

    Viele Grüße und schöner Tag noch,
    Juliane

    • says

      Das freut mich, wenn ich ein bisschen von dem Supersonntag rüberbringen konnte – gleich wieder ein ganzes Wochenende, cool. Ihr hattet ja beim letzen Mal auch ein krasses Pensum 😉

    • says

      Nein! Bitte nicht aufhören zu kochen! Das kriegt man hin, es muss ja nicht immer Hunderzprozentig sein. Das größte Hindernis wird für die Meisten das Wasserbad sein, aber statt dessen könnte man den Bauch auch im Bratenschlauch garen. Man muss sich nur ein bisschen mit dem Rezept und den Zubereitungsarten auseinandersetzen – wir haben hier und da auch Abstriche gemacht dem Rezept durch gezielten Verzicht auf fehlende Zutaten eine gewisse Individualität verliehen (geräuchertes Olivenöl, Specköl, Jack Daniels Holzchips, getrocknete irgendwas-Pflaumen…). Aber ganz herzlichen Dank für dein Lob :)

    • says

      Wie recht du hast meine Liebe. Ich war nur kurzfristig von ausführbaren Testspezifikationen für automatische Abnahmetests der Keyuser abgelenkt. Kommt nicht wieder vor 😉 (Ich kommentiere nur noch nach Feierabend)

  9. says

    Ich hab’s gerade schon bei Astrid gepostet: Euch sieht man so schön den Spaß an, den Ihr hattet. Und das ist das Besondere an guten Foodblogs! Ich mag das wirklich sehr und würd’ Euch beide für diese Aktion am liebsten mal drücken!

  10. says

    Bin gerade auf Siebeck’s Blog über den Link zu diesem Blogeintrag gestolpert. Scheint ein richtig lustiger Kochtag gewesen zu sein – mit entsprechend gut gelungenem Ergebnis. Am meisten gefällt mir die Schwarte, die sieht so richtig richtig lecker knusprig aus! Das Selbe lässt sich auch sehr gut mir Schweineöhrchen zubereiten. Ich bin sehr gespannt auf euer nächstes Abenteuer 😉

    • says

      Hallo Robert! Die Fortsetzung ist schon geplant :-) Vor ein paar Wochen haben wir Hr. Elverfeld auch persönlich kennenlernen dürfen und er hat uns Unterstützung für das nächste Event zugesagt – also so rein virtuell 😉 Die Schwarte hat wortwörtlich gekracht und die crosse Komponente geliefert.

        • says

          Nein, im Aqua waren wir leider nicht – wobei Astrid das glaube ich noch nachholt im Rahmen der “5 Sterne an einem Tag” – vielleicht kriegt aber Hr.Bühner zwischenzeitlich noch seinen dritten Stern, dann werden es entweder 6 Sterne an einem Tag, oder es bleibt bei 3 😉 Wir haben Hr. Elverfeld auf der Chef Sache in Köln getroffen. Irgendwann wird mein Bericht davon auch noch fertig – ich hab viele Bilder auf der Bühne machen können und den Meister in Aktion erleben und ablichten dürfen.

          • says

            Wow, *neid*! Erstens wegen Astrid (sie braucht für ihre Sternetour nicht zufällig noch eine Begleitung? 😉 ) und zweitens: das war ja ein wahnsinnig tolles Aufgebot an Chefköchen – schade, hab ich leider verpasst… Gibt’s das nächstes Jahr wieder? (Oder “nur” das in Zürich?) Auf deinen Bericht von der Chef-Sache bin ich sehr gespannt.

          • says

            Ach, die Reise kann ja jeder buchen, schlappe 1600€ glaub ich und du bist dabei 😉 Die Chef-Sache war echt so´n Ereignis und ich hoffe sehr, dass sie nächstes Jahr wieder stattfindet, aber davon geh ich schwer aus.

          • says

            Die Sache mit dem 3. Stern ist leider für Herrn Bühner erstmal erledigt. Vielleicht wird es nächstes Jahr etwas… :)
            Und so bleibt es auch für mich bei einer 5-Sterne-Reise, aber frau will nicht meckern… :) :) :)

            Im November dann mehr…

          • says

            Hm, das klingt nach Insider-Wissen – der neue Guide braucht ja noch 2-3 Wochen bis zum Erscheinungsdatum 😉 Dass sind keine so gute Nachrichten für Herrn Bühner wo er doch schon seit 2 Jahren als Hoffnungsträger für den 3. Stern genannt wurde. Ich denke, Deiner Reise tut es aber keinen Abbruch 😉 Viel Spaß! Bin gespannt auf die Berichte.

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