…nie mit leerem Magen loslegen. Typisch Chef Hansen – erstmal ausprobieren und dann gucken, wie man´s richtig macht. Kurzfristig hat sich ein Besuch ergeben, auf den wir uns schon lange gefreut haben, da die Lieben nicht an unserer Hochzeit im Herbst teilnehmen konnten. Da wir auch zufällig Urlaub hatten und ich bekanntermaßen keine Probleme damit habe auch mal einen ganzen Tag in der Küche zu verbringen war recht schnell die Idee geboren, ein Hochzeitsmenü für uns Fünf zu kreieren. Die Rahmenbedingung waren klar: Möglichst viel vom Grill und möglichst viel vorbereitet, da der Koch auch als Gastgeber und Stimmungskanone im Einsatz war und außerdem schlecht ständig zwischen Grill und Küche (vorbei an der Tafel) rotieren konnte wollte.
Im Hintergrund brodelten schon lange Ideen von Speisen, die ich ausprobieren wollte: Rib-Eye-Steaks vom Grill, die gelierte Waldmeisterbowle vom Betriebsausflug, Mille-Feuilles, Margits Mojito-Sorbet, mal wieder ein Espuma, natürlich Eis und was Asiatisches. Aber der Reihe nach. Meine Bastel-Queen und Ehefrau (klingt immernoch irgendwie komisch *kicher*) hat eine wunderschöne Karte entworfen, die den Gästen als Orientierung für den Nachmittag diente und auch euch schonmal einen Überblick über die Menüfolge geben soll.
Was man nie überschätzen sollte bei so´ner Fünf-Gänge-Geschichte ist der Hunger. Ist genau wie beim Einkaufen – man sieht hier was leckeres, bekommt da noch eine tolle Idee und am Ende der Woche muss man im schlimmsten Fall etwas wegwerfen. Und kann mir mal bitte jemand erklären, warum die Steaks beim Metzger aussehen wie winzige Probierscheiben vom Schinken und wenn man sie zuhause aus dem Kühlschrank nimmt haut´s einen beinahe Rückwärts auf dem gefliesten Boden? Aber der Reihe nach…
Apfel-Ziegenkäse-Taler auf Feldsalat mit karamelisiertem Thymianzweig. Der Thymianzweig ist nicht nur Deko sondern eine durchaus leckere Knabberei – einfach Thymianzweig durch karamelisierten Zucker ziehen und abkühlen lassen, dann abnagen. Aus zwei säuerlichen Äpfeln habe ich ca. 1cm dicke Scheiben geschnitten und auf dem ordentlich vorgeheizten Grill zuerst von einer Seite gebräunt, dann gewendet, den Käse aufgelegt, mit wenig Zucker bestreut und den Deckel vom Grill geschlossen. Der Käse soll weich sein, aber kaum verlaufen – hier bietet sich ausnahmsweise der Einsatz von Alufolie an. Der Zucker sollte leicht karamelisiert sein – hier darf dann auch mit einem kleinen Brenner nachgeholfen werden. Auf Feldsalat mit einen Dressing von Olivenöl, weißem Balsamico, Senf, Honig, Knoblauch, Pfeffer und Salz anrichten – Thymianzweig reinstecken.
Begleitet hat alle Gänge mein liebstes Brot zum Zuhause backen: Das Spitz von Ketex. Außerdem gab es eine Kräuterbutter mit frischen Zutaten von der Dachterasse: Rosmarin, Thymian, Schnittlauch, Basilikum und Salbei – dazu etwas Salz. Einfach die Butter weich werden lassen, alles in einen Mixer geben und mit Fleur de Sel abschmecken.
Der Fisch – hier gab´s Lachssteak (das man wohl eher als Paillard bezeichnen sollte, was aber gut so war, ich sag nur: Hunger) mit Süßkartoffelgratin. Den Lachs habe ich kurz von beiden Seiten gegrillt und mit etwas Olivenöl und Fleur de Sel gewürzt. Lecker war´s, leider aber auch sehr grätenreich. Ich brauch dringend mal nen tollen Fischhändler (oder sollte selbst nochmal genauer drauf schauen). Das Süßkartoffelgratin hat sich mittlerweile etabliert und diente schon als Beilage zu (sehr gelungener) Dorade vom Grill und (sehr misslungenem) Ochsenschwanz. Das Rezept dazu folgt in einem eigenen Beitrag.
Zur Erfrischung, und um dem Hunger eine zweite Chance zu geben, war das Mojito-Sorbet von Margit eine tolle Idee und wurde von allen Gästen hoch gelobt. Auch ich war sehr zufrieden. Bei der Zubereitung noch ein bisschen skeptisch war´s dann aber abgekühlt und mit dem Gläschen Rum eine leckere und runde Sache. Dafür auch hier nochmal Vielen Dank, Margit!
Eigentlich wollte ich zum Steak einen einfachen Krautsalat zubereiten, aber das erste Rezept aus der Grillbibel hat uns nicht besonders gefallen. Leicht verunsichert habe ich das Menü dann auch auf Facebook nochmal zur Diskussion gestellt und bin Dank eines Kommentars von Arthurs Tochter auf die Idee gekommen nach einem asiatischen Krautsalat zu suchen und bin recht bald in der BBQ-Bible fündig geworden – dort unter dem klangvollen Namen Shogun-Salat. Neben Weißkohl, Karotten, Frühlingszwiebel, roter Paprika und Kaiserschoten besteht dieser aus einem Dressing mit Wasabi, Ingwer, Knoblauch, Reisessig, Zucker, geröstetem Sesam und Sesamöl. Wie ich finde eine ideale Ergänzung zum Rib-Eye-Steak mit Espresso-Chili-Kruste, für die 2 EL Espresso-Bohnen mit Kreuzkümmel, Chili und Zucker gemahlen wurden. Anstatt der fünf Steaks habe ich allerdings nur drei gegrillt, die wir dann großzügig unter uns aufgeteilt haben – gute Idee, denn der Hunger ging langsam zur Neige.
Aber ein Nachtisch geht ja immer noch rein – wie schön, dass ich Drei vorbereitet hatte: Basilikum-Eis, Erdbeer-Mille-Feuilles und gelierte Waldmeisterbowle. Die Mille-Feuilles waren allerdings Mini-Portionen und ließen sich entsprechend anrichten. Da mir mein Bauch und der steigende Alkoholpegel ein bisschen im Weg waren sehen die Teller leider nicht so besonders aus – auch der Espuma wollte nicht mehr richtig aus seinem Siphon, in dem er übernachten durfte. Das ist ja so: Ein Becher Crème Fraîche, 50g Zucker und der Saft einer Limette wurden von mir fachmännisch gemixt. Dann kamen da zwei Blatt Gelatine drunter (in kaltem Wasser einweichen, in warmem Topf auflösen, erst ein Löffelchen von der kalten Masse darunter rühren, dann noch ein Löffelchen und noch eins und dann diese Masse wieder zurück gießen) – mit Sahne auf 500ml auffüllen, in den Siphon, Patrone reindrehen und ab in den Kühlschrank. Klar, einen halben Tag später ist das fest – und unter zuviel warmem Wasser wird es wieder: Flüssig. Egal, gelernt habe ich jetzt wieviel warmes Wasser und wie oft schütteln nötig ist – leider war´s für den Teller ein bisschen zu flüssig, was dem Geschmack jetzt aber keinen Abbruch tat: Schön frisch und der ideale Gegenpart zu den marinierten Erdbeeren (Details dazu im Basilikum-Eis Artikel).
Mein persönliches Highlight war allerdings die gelierte Waldmeister-Bowle. Dazu habe ich 250ml Leuterzucker mit einer Flasche Weißwein (trockener Riesling) aufgekocht, eine handvoll Waldmeister-Zweige darin vier Minuten köcheln lassen, 6 eingeweichte Blätter Gelatine darin aufgelöst und später noch 3 EL gehackte Waldmeister-Blätter darin ziehen gelassen. Das muss man zwar nicht tun, aber ich mag die Blätter im Gelee sehr gerne. Natürlich sinken Die erstmal zu Boden, aber wenn das Gelee anzieht muss man nur noch einmal durchrühren und hat alles gleichmäßig verteilt (und es bleibt auch dort wo es hingehört).
Die Gäste waren sehr angetan vom Menü, ja, von einzelnen Komponenten sogar völlig begeistert und auch der Koch sank am Ende des Tages zufrieden auf der Couch in sich zusammen. Viel gelernt habe ich, Spaß hat´s gemacht und Blut geleckt hab ich auch noch – deswegen gibt´s das auch bei Gelegenheit mal wieder, mit Portionen, die jeder bewältigen kann. Und weil außerdem Alles so schön bunt war, reiche ich gleich das ganze Menü beim Blog-Event “Farbenfrohe Gerichte” ein, das dieses Mal von der farbenfrohen Sylvia ausgerichtet wird









Bei der Einladung wäre ich auch sehr angetan gewesen
Vielen Dank, ja, ich denke da kann man wirklich schwer widerstehen
Oh, ein ganzes Menu ! Respekt. Das hab ich noch nie zustande gebracht.
Vielen Dank
Mich hat neben dem Kochen auch die Planung sehr interessiert, aber da kann man sicher ganze Artikel, ach was, Bücher drüber schreiben. Vielleicht erzähl ich beim nächsten Mal vom Einkaufsliste schreiben und Todo-Liste sortieren.
“Aber ein Nachtisch geht ja immer noch rein – wie schön, dass ich drei vorbereitet hatte” – aaahahahaa, dieser Satz made my day!
Tolles Menu, bei euch kommt man ganz bestimmt gerne zu Besuch.
Freut mich
Wir haben auch sehr gerne Besuch – vielleicht denk ich auch mal über ein Privatrestaurant nach
Hallo? Ist Dir mal aufgefallen, dass ich auch nicht bei Eurer Hochzeit dabei sein konnte? *tssss……
Die Karten sind wunderschön geworden, ich freue mich schon sehr darauf, Deine unglaublich kreative Kerstin kennenzulernen!
Dass Du so einen tollen Salat gefunden hast, freut mich sehr- ich hatte ja lediglich den Spitzkohl ins Spiel gebracht. Das Rezept ist schon notiert!
Gut auch, dass Du den Salat mit dem Ziegenkäse purer gemacht hast, als zuerst geplant, so gefällt er mir richtig gut! Der Thymian hat das Casting zu Recht gewonnen
Meine Meinung zum Lachs mit dem Gratin habe ich ja schon kundgetan – das wäre mir zu eintönig auf dem Teller (to much orange) aber das ist ja erstens optische Geschmacksache und passt hier natürlich zweitens perfekt zum Event.
Wir haben uns leider erst in der Woche nach der Hochzeitsreise kennengelernt
Wir freuen uns auch schon sehr auf diesen Abend. Falls du noch Details zum Rezept möchtest – tell me! Aber ich denk du kommst schon klar…
Astrid ich musste gerade herzlich lachen über deinen ersten Satz
. Freue mich auch, dich demnächst kennenzulernen!
Deine Teller und Geschichten, wie immer ein Genuss.
Ich glaube aufs Wort, dass deine Gaeste zufrieden waren.
Arthurs Tochter, wir sollten da dringend am Ball bleiben!
Kannst du zufaellig Einladungen faelschen?
Vielen vielen Dank
Tatsächlich ist es glaube ich so (werd das bei Gelegenheit mal recherchieren), dass sich bei uns bisher die meisten Gäste selber eingeladen haben und ich das auch noch nicht verwerflich fand…
Wad fürn Kompliment, Dankeschön!
Im Moment ist aber bei mir außer dem Haupthaar und dem leichten Sonnenbrand eher nix mit farbenfroh… Gerade erblasse ich vor Neid über Dein leckeres und farbenfrohens Menü, besonders toll und ansprechend finde ich das aufwendige Dessert und das Sorbet – einfach ein Traum und genau nach meinem Geschmack! Vielen lieben Dank für diesen tollen “mehrgängigen” Beitrag zum Blog-Event!
Bitteschön Das Dessert mochte ich auch sehr gerne, daher find ich´s auch schade, dass es ein wenig hölzern angerichtet ist, aber wie ich schon schrieb… Dir vielen Dank für das Event und die schöne Idee dazu!
Kompliment erst mal an die Bastel-Queen-Ehefrau und dann natürlich an dich! Chapeau, da hätte ich auch gerne mitgegessen.
Vielen Dank – auch von der Bastel-Queen
Hmmmm, köstlich – allein das Süßkartoffelgratin schreit nach Nachahmung!
Vielen Dank Micha – das Rezept folgt bald!