Pesto

In meiner Phantasie bin ich ja Selbstversorger. Dort habe ich einen kleinen Garten, um die 500 Quadratmeter und baue alles an, was das Jahr über durch meine Küche wandert. Es gibt eine perfekte Kräuterschnecke, in der der Rosmarin in der Sonne genauso gut gedeiht, wie die Brunnenkresse, die am immerfeuchten Fuße wächst. Tomaten, Auberginen und Zucchini wachsen mit Kartoffeln und Erdbeeren um die Wette – überhaupt gibt es viele Beerensträucher, aus deren Ernte ich rafinierte Marmeladen koche. Ein paar Hühner picken fröhlich Körner aus der saftigen Wiese, beliefern mich mit Eiern und ab und zu muss auch mal eines von ihnen Federn lassen. Es wird kompostiert, Regen gesammelt und in ein tiefes Erdloch geschissen. Strom brauche ich keinen, gemäht wird mit der Sense.

In Wirklichkeit schaffe ich es nicht mal Tomatensträucher bis zur Ernte zu betreuen, geschweige denn Regen zu sammeln oder einen Komposthaufen anzulegen. Dabei müsste ich mich nichtmal um 500 Quadratmeter kümmern und könnte meine wertvolle Zeit auf 100 konzentrieren. Jeden Winter stelle ich mir vor, wie schön es wäre wenigstens ein Gemüsebeet zu haben und verbringe Nächte in der Bibliothek um zu lernen welche Pflanzen gerne nebeneinander stehen und nacheinander gepflanzt werden können. Grade jetzt stelle ich mir vor, wie ich für´s Abendessen eine Schüssel voll Salatblätter pflücke, wie ich den Regen von ihnen abschüttle und aus den Gartenkräutern ein leckeres Dressing zubereite.

Mit fortschreitendem Alter lernt man sich dann selbst ein bisschen besser kennen und weiß die Gartenambitionen im Vorfeld richtig einzuschätzen. Dieses Jahr bleibt´s bei den Kräutern lautete der Vorsatz, ein bisschen mehr als Rosmarin, Thymian und den hellgrünen Küchenfensterbasilikum durfte es dann aber schon sein. Mittlerweile bin ich bei 25 verschiedenen Kräutern angekommen und wirklich froh, nicht mehr bei jedem Regen die Tomaten unters Vordach ziehen zu müssen. Auch für die Küche gibt so ein Kräutergarten natürlich viel mehr her, was ich nicht erst seit unserem Betriebsausflug zu Peter Scharff weiß, seit dem aber um viele Erkenntnisse im Umgang mit meinen neuen Pflanzen reicher bin.

Ein fotografisch misslungenes Gericht erspare ich euch und gehe lieber mit einem Pesto online, dass ich spontan kreiert habe. Im klassischen Pesto wird ausschließlich Basilikum verwendet (mit Pinienkernen, Knoblauch, Olivenöl, Parmesan, Pfeffer und Salz), ich gehe neuerdings aber so vor, dass ich mir auf der Dachterasse quasi ein Hauptkraut suche und die Anderen durchprobiere und so mit dem Hauptkraut kombiniere, wie´s mir in dem Moment grade in den Kram passt. Deshalb gibt´s heute auch ein Pesto vom Basilikum mit Estragon, Salbei und Zitronenverbene. Völlig entgegen meiner Natur habe ich alle Zutaten für´s Pesto abgewogen und notiert um dann wiederum meiner Natur folgend festzustellen, dass ich den Zettel irgendwohin verlegt habe. Deshalb gibt´s heute wieder kein Rezept.

Zum Glück habe ich aber ein Bild von den verwendeten Kräutern gemacht, denkt euch für´s Pesto einfach den Schnittlauch und Zitronenthymian weg und ihr wisst schon wo´s kräutertechnisch so lang ging mit diesem Pesto. Dazu habe ich mein bestes Olivenöl verwendet, angeröstete Pinienkerne, Parmesan, zwei Knoblauchzehen, Meersalz und schwarzen Pfeffer ordentlich durchpüriert. Mit Olivenöl und Parmesan kann man ein wenig rumspielen, bis einem die Konsistenz passt. Ein Spritzer Zitronensaft ist auch kein Schaden, wich hier aber zwei Spritzern weißem Balsamico und schwups war´s ne runde Sache.

Zu Nudeln muss man ja nicht viel sagen – macht eh jeder wie er will. Aber die Zeit war gekommen für eine weitere Premiere in meiner bescheidenen Küche – einem porchierten Ei. Andreas hatte mir mit diesem Beitrag zwar schon lange die Angst davor genommen, aber trotzdem muss man manchmal auch Sachen vor sich her schieben. So dass sie gewissermaßen reifen können. Aber als ich dann dieses Ei bei Heike gesehen habe war die Zeit reif. Das wollte ich auch haben. Aber dann schrieb sie: Eier einzeln trennen, gut auf’s Eigelb achten! Gut auf´s Eigelb achten. Ich Grobmotoriker. Drei Eier waren noch im Haus – eins ist auf dem Bild, den Rest könnt ihr euch ja denken… An Kräutern hatte ich Lust auf Schnittlauch und Zitronenthymian. Coole Sache – gibt´s jetzt öfter und ich versuch das dann beim nächsten Mal auch ohne Stützräder ;-)

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23 Antworten auf “Pesto”


  • Herrlicher Bericht! :)
    Und fast unheimlich, wie unsere Phantasien sich ähneln. Träumst Du Dir auch noch das Bauernhaus mit der Scheune, in die Du Dir von Siemens oder Gaggenau (austauschbar gegen Bulthaupt, Miele o. a.) eine Küche bauen lässt, die diesen Namen so wirklich verdient?
    Und was ist mit den Ziegen und den Schafen? Phantasierst Du diese ebenfalls?

    • Danke :) Diese Küche, von der du da sprichst ist in meinem Phantasie-Loft, das den Kontrast zum Landleben bietet. In der Scheune steht der alte Holzofen von meiner Oma und draußen mauerte ich noch einen Steinbackofen. Schafe brauche ich natürlich auch zum Rasenmähen und ein Schwein sollte auch nicht fehlen – ich wollte nicht gleich übertreiben und als völlig Verrückter da stehen, aber was soll´s ;-)

  • So sollte jeder Tag beginnen, vielen Dank! Jetzt hab ich gute Laune :)
    Ich biete noch einen Mühlteich mit Forellen und Enten, ok?

  • Die Apfelbäume, vergesst die Apfelbäume nicht! Ohne Apfelbaum gibts keinen Bauernhof. Und ein Holunderbusch muss sein. Und eine Granittränke aufm Hof.

    Heee, wir gründen ein Dorf! Blogsewitz oder so. Und AT wird Bürgermeisterin :-)

    • Apfelbäume sind so selbstverständlich, die hab ich garnicht extra erwähnt ;-) Kleinbloggersdorf gefällt mir auch gut – auf Facebook haben wir mal überlegt ein ganzes Land zu gründen: Foodistan – AT sollte glaube ich die Präsidentin werden, also steht auf jeden Fall schonmal die Anführerin fest ;-)

  • Sehr, sehr schöne Fantasie :-) Ab und zu träume ich auch in die Richtung, weiß aber, dass es für mich ohne grünen Daumen und mit zwei linken Händen, nun sagen wir, nicht eben wahrscheinlich ist das umzusetzen. Wenn ich im Lauf meines Lebens jemals so viele Kräuter bei mir versammle, wie Du auf Deiner Dachterrasse hast, dann bin ich glaub ich zufrieden. Und ansonsten komme ich mal zu Besuch ins imaginäre Blogger-Bauernhof-Dorf, fahre dann aber freudig, gut erholt und beköstigt wieder in meine Stadtwohnung zurück ;o)

  • Ja, ja, wenn die Bandscheiben nimmer so wollen wie sie sollen, dann schrumpfen solche Träume. Auf unserer Dachterrasse sind die Töpfe mittlerweile von 70 auf 50 reduziert und der beste Mann von allen hat nun Platz für seine Liege. Meine Liege muss noch warten – ich zupf dann doch lieber Unkraut und hege und pflege meinen Knollenziest und anderes exotisches Grünzeug.

    • 50!? Nicht schlecht, ich glaube damit würde ich jemandes Verständnis für meine Macken überstrapazieren ;-) Ich find´s einfach schön wenn´s um einen rum grünt und sprießt und duftet.

  • Heiliger Bimbam, sieht der Teller gut aus! Und ja, ramontische Vorstellung, die glaube ich die meisten Menschen haben, die sich intensiv mit Kochen und Nahrungsmitteln beschäftigen. Back to the roots eben. Auch voll mein Ding. Zum Glück gibt´s noch meine Omi auf dem Land, die einen großen Garten hat und heute noch mit der Sense auf´m Acker steht und das Hasenfutter mäht. Nur das mit dem Erdloch, das gibt´s auch da nicht – und ich bin sogar ganz froh darüber. ;-)

    • Mein Großonkel hatte genau den Garten, von dem wir hier alle träumen, der war aber auch Lehrer und später Rentner. Da gab´s sogar nen richtigen Bach, über den wir als Kinder gehüpft sind – einmal hab ich da sogar reinge”spuckt” weil ich zuviel am Himbeerstrauch genascht hab… Erdloch hatte der auch keins, aber ein Kollege, bei dem ich neulich mal im Garten war ;-)

  • Mein Traumgarten hat Platz für Johannisbeeren in allen Farben, Stachelbeeren, Zucchini, Kohlrabi, diverse Kräuter … bis ich soweit bin, einen zu haben, beneide ich lieber nagano um ihren Balkon (leider ist http://cut-in-twain.blogspot.com/2010/06/es-wachst-und-wachst.html ein Eintrag vom letzten Jahr).

    Aber ich schweife ab. Denn eigentlich wollte ich hier nur loswerden, daß ich nicht-originale Pestos viel interessanter finde als wenn sich jemand stur an das Originalrezept hält. :)

  • Ein paar Kräuter aus dem Gärtchen geben dem Basilikumpesto gleich eine andere Richtung.

  • Da träumen wir wohl das gleiche! Wir können ja alle zusammenlegen und eine Bauernhof-WG fürs Alter aufmachen! Mit angeschlossenem Sternereataurant…von irgend etwas müssen wir doch leben, oder?

    Hast Du noch Platz für ein Wagyo Rind? Die Biermassage mit Augustiner würde ich übernehmen :)

    • Ich halte ja nichts von “für´s Alter” – das ist mir einfach zu gefährlich, und Geduld hab ich auch keine ;-) Das angeschlossene Sternerestaurant ist natürlich ne Idee – Michael Hoffmann macht ja bisschen was in die Richtung und die Jungs vom Noma auch irgendwie. So ne Augustiner-Kuh wär auch ein glückliches Vieh…

  • Ach ja, ich find´s schön, dass es noch mehr Foodies gibt, die von solch einem Selbstversorgergarten träumen! Meine Schwiegeroma hat eine solchen Garten und ich bin froh, dass ich da ernten darf, ohne die viele Arbeit machen zu müssen ;-)

    Und ich hätte jetzt bitte auch gerne einen Teller von dem 1. Bild – lecker lecker lecker!

    Viele Grüße und schöner Tag noch,
    Juliane

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