Der perfekte Hefezopf?

Wer hat Angst vor´m Hefeteig? Keiner! Keiner! Dafür gibt es nämlich seit der aktuellen Ausgabe der e&t (April 2011) keinen Grund mehr. Alle Geheimnisse zur Zubereitung des perfekten (!) Hefeteiges werden gelüftet, ausführlich erklärt und ein absolut gelingsicheres Grundrezept sowie ein paar zusätzliche Vorschläge zum Genuss des perfekten Hefeteigs geliefert.

Den perfekten Hefeteig erwartet ihr sicherlich eher von der schwäbischen Hausfrau, als von mir. Nun ist es aber schon länger kein Geheimnis mehr, dass ich neben dem Kochlöffel auch gerne mal den Knethaken schwinge und dabei die ein oder andere Köstlichkeit gelingt. Bisher war mir der einfache Hefezopf einfach zu einfach, Rosinen mag ich keine, so dass mir das Rezept von Claudias Mohnzopf, den ich sehr empfehlen kann, eher entgegen kommt als die vermeintlich trockene Variante.

Andererseits gibt es bei unserem Onkel Artur, einem waschechten Hessen, die Silvester-Tradition der Stutzwecken. Auch ein einfacher Hefeteig, der dort zum Jahreswechsel gebacken wird und dessen zwei Köpfe den Anfang und das Ende des Jahres symbolisieren, sowie zwölf Einschnitte, die für (wer hätte das gedacht) die Monate stehen. Da frag ich mich, was symbolisiert eigentlich der Zopf? Einerseits denkt man da spontan an die alten Zöpfe, die es abzuschneiden gilt, traditionell aber steht der Zopf für die Einheit von Körper, Geist und Seele! Wie schön, der Hefezopf als Soulfood. Kann man durchaus so sehen, mir war es schon sehr wohlig, als der Duft von frischem Hefeteig durch´s Haus zog und es auch Stunden nach dem Backen noch nach süßlichem Backwerk roch.

Vielen Mensch will einfach kein Hefeteig gelingen. Selbst gestandene Hausfrauen, die 20 Jahre Ehe und die Erziehung der Kinder gemeistert haben, wollten mir das standhaft versichern. Mir selbst ist in der Küche schon Alles daneben gegangen. Gestern Abend erst meine als lebensverändernd angepriesenen Brownies. Eine kurze Unachtsamkeit… Aber Hefeteig, da kann ich mich an kein Malheur erinnern. Der Schlüssel zum Erfolg lautet Geduld. Und Temperatur – wobei zu kalt kein Problem ist und mit Geduld ausgeglichen werden kann, während zu heiß schnell mal den Hefetot und damit einen flachen Zopf bedeuten kann. Klar ist, das frische Hefe mehr Power hat, als die, die schon seit Wochen im Kühlschrank auf Verwendung wartet. Glücklich ist fernerhin der, der einen Heizungsraum sein Eigen nennt: Dunkel und ideal temperiert.

So ein Hefezopf ist echte Handarbeit. Wie gerne knete ich den Teig nochmal kräftig mit den Häden durch, bevor er sich dann davon erholen darf, oder dann, wenn er ordentlich aufgegangen ist und vor der weiteren Verarbeitung nochmal kräftig malträtiert wird. Mehr Fingerspitzengefühl ist dann für´s Flechten gefragt. An Frau Hansens Haaren kann ich das leider nicht üben, aber als Kind hatte ich mal so ne Phase wo ich überall Zöpfe rein geflochten habe – wär mal interessant das Tiefenpsychologisch zu analysieren…

Die Zutaten für den perfekten Hefezopf nach e&t

250ml Milch
20g frische Hefe
75g Zucker
1 Ei
1,5 TL Salz
500g Weizenmehl (Typ 550)
75g weiche Butter
Hagelzucker

Da bei mir der Teig zu feucht war, habe ich 50g Mehl hinzu gegeben. Beim nächsten Versuch würde ich außerdem 100g Zucker verwenden, da dem Teig ein wenig mehr an Süße gut getan hätte. In Claudias Mohnzopf kommen 80g Zucker, allerdings sind in der Füllung nochmal rund 100g Zucker…

1. Den Vorteig ansetzen. Dazu die Milch erwärmen – die Hefe mag am Liebsten Körpertemperatur, also um die 37 Grad. Mehr sollte es denke ich nicht sein. Ich gebe die Milch in die Mikrowelle, die ich für solche Zwecke einfach ideal finde. Milch bei Zimmertemperatur sollte es allerdings auch tun, den Behälter in dem der Vorteig reift, kann ja dann auf der Heizung stehen. Dieser Vorgang dauert sowieso nicht zu lange. In der erwärmten Milch den Zucker und die Hefe auflösen – ca. 15 Minuten abgedeckt die Hefe anspringen lassen.

2. Die Butter gebe ich ebenfalls kurz in die Mikrowelle, bis sie schön weich, aber noch nicht flüssig ist. Von dem Ei 3EL für´s Bepinseln kalt stellen, den Rest mit der Butter zum Mehl in die Küchenmaschine geben und mit dem Vorteig zu einem glatten Teig kneten. Zunächst sieht alles sehr feucht aus und der Teig wird in der Schüssel kleben, mit der Zeit aber lösen. Bleibt das so, ist alles Ok, wenn der Teig zu flüssig bleibt, nach und nach etwas Mehl dazu geben, bis kein Teig mehr in der Schüssel kleben bleibt. Dem Teig sollte man beim kneten aber auch etwas Zeit gönnen, bevor zuviel Mehl in der Schüssel landet.

3. Mit einem feuchten Geschirrtuch abdecken und den Teig in Ruhe gehen lassen, bis er sein Volumen verdoppelt hat. Gelingt das in der einen Stunde nicht, dem Teig einfach noch ein bisschen mehr Ruhe gönnen.

4. Den Teig nochmal ordentlich (jetzt kommen die Hände ins Spiel) durchkneten. Dritteln und nochmal 10 Minuten Ruhe gönnen.

5. Die Teigdrittel nun zu Strängen rollen – hier mache ich gerne den Fehler die Stränge zu lange zu machen. Der Zopf sollte noch in den Ofen passen! 40cm sollte lang genug sein. Auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech nun einen lockeren Zopf flechten. Da jetzt nochmal Ruhe angesagt ist, während der Teig geht, sollte der Zopf nicht zu stramm sein, da dem Teig sonst der Platz zum Aufgehen fehlt. 45 Minuten warten.

6. Backofen auf 200 Grad vorheizen. Hefezopf mit dem restlichen Ei bepinseln und mit Hagelzucker bestreuen. 25 Minuten backen, dabei gegen Ende kontrollieren, ob einem der Zopf schon zu dunkel ist und gegebenenfalls mit Alufolie abdecken. Der Hefezopf ist fertig, wenn er beim drauf klopfen hohl klingt.

Auch für´s Auge ist so ein Zopf ein echter Genuss. Mich macht´s direkt glücklich, wenn ich sehe, wie der Teig aufgeht:

Das sieht auch in der Rührschüssel schon schön aus:

Ansonsten war der Hefezopf geschmacklich durchaus überzeugend. Ganz leichte Säure, die vermutlich über den “Gärprozess” hineinkommt – eben, ein bisschen Süßer hätte er noch sein können, war dann aber doch die ideale Grundlage für etwas Nutella. Aber auch nur mit Butter soll er sehr lecker gewesen sein. Gerne hätte ich noch das Rezept mit Mangosorbet und Hefezopf-Serviettenknödel probiert, aber bevor die Mangos gefroren waren, gab´s vom Hefezopf nur noch die Krümmel.

Share

10 Antworten auf “Der perfekte Hefezopf?”


Hinterlasse eine Antwort

eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
Auch möglich: Abo ohne Kommentar.